Reise-Statistik: Endstand: Zeit brutto: 2 Jahre, 11 Monate, 24 Tage - Besuchte Länder: 56 - Besuchte Städte: 173 - Betten: 144 - Flüge: 132 - Flugzeug: 20 Tage, 15 Stunden, 46 Minuten - Auto:19 Tage, 2 Stunde, 11 Minuten - Schiff: 5 Tage, 11 Stunden, 14 Minuten (netto) - Bus: 5 Tage, 15 Stunden, 8 Minuten - Fähre/Boot: 1 Tag, 12 Stunden, 48 Minuten - S/U-Bahn: 1 Tag, 9 Stunden, 8 Minuten - Zug: 1 Tag, 13 Stunden, 48 Minuten - Moped: 15 Stunden, 32 Minuten - Tuk Tuk: 13 Stunden, 14 Minuten - Einbaum: 5...

Krisenseminar Thailand

Posted by cw November 6th, 2011

Er steht bis zum Bauchnabel im Wasser. Nicht am Strand von Koh Samui, nein, in seinem Wohnzimmer. Und er lächelt und lacht als stünde er eben doch am Traumstrand zwischen Lamai beach und Chaweng beach dieser Insel. Aber er steht an seinem Esstisch in Bangkok. Die obere Etage seines Hauses ist sein Archipel. Bevor er die Stufen nach oben nimmt, duscht er sich mit einem Schlauch kräftig ab, um das dreckige Wasser loszuwerden. Dem Wohnzimmer sind ein paar Liter mehr ebenso egal wie ihm.

Da ist sie wieder, die burschikose Thailänderin, die wie jeden Abend mit dem Mikrophon in der Hand und Wasser wahlweise bis zu den Knöcheln, den Knien oder dem Hals vom Hochwasser berichtet, das einfach nicht abfließen will. Sie interviewt Menschen, die mal eben mit ihren Booten auf der Hauptstraße anhalten, um nett zu sagen, wie es ihnen geht. Sie spricht mit Frauen, die bis zur letzten Sekunde an Straßenstränden kleines Essen verkauft haben, bis alles wegschwamm. Dann war es doch Zeit zu gehen. Jeden Abend 22:30 Uhr in den Nachrichten von tv3; die Wasserstände und Tauchtiefen. Autos mit hochgebundenen Schläuchen am Auspuff, die sich durch die Fluten kämpfen. Kleinkinder, die auf selbstgebauten Flößen durch die Straßen der Millionenmetropole geschippert werden. Ganze Thaifamilien in kompletten Klamotten, die entweder Einkäufe nach Hause oder ihr restliches Hab und Gut in Sicherheit bringen. Fast alle lachen und winken. Der geflutete Wohnzimmermann hat es uns gerade erklärt: „Warum soll ich traurig sein? Ich lebe doch noch.“ Wer nicht gerade Tote in der Familie oder einen Totalverlust erlitten hat, winkt und lacht eben. Ich kann mir deutsche Gesichter bei einem Bruchteil einer solchen Flutkatastrophe kaum vorstellen. Auch meines nicht. Winken und Lachen sind das sicherlich nicht drin. „Jai yen yen“, sagen sie. „Bleib cool!“, „Komm runter!“ oder halbwegs wörtlich übersetzt: „Kühle dein Herz ab!“ Der Fernseher lässt mich allabendlich wissen, wie weit die Fluten noch entfernt sind. Weit genug. Mein Krisenseminar. Ich sitze mit importierten Problemen da, die mich in Deutschland fluteten. Mein persönlicher Tsunami. Winkfrei, lächelarm. Doch die Thais bringen mir etwas bei. „Mach dir nicht zu viele Sorgen, lass es geschehen, es wird schon werden. Auch wenn dir das Wasser bis zum Hals steht.“ Ja, da kennen sie sich aus. Und immer wenn meine Sorgen überhand nehmen, höre ich die Frau an meiner Seite sagen: „Jai yen yen!“ – Danke Thailand! Danke B.!

Kenia – jaja

Posted by cw Juni 11th, 2011

Kurz bevor ich mal wieder ein Teiletappe meiner nicht enden wollenen Reise um diesen Planeten nach schlappen 2 Jahren und 4 Monaten abschließen und nach Deutschland fliegen will, mache ich also noch Halt in Kenia. Damit sind es nun innerhalb dieser Zeit 53,5 Länder,  die ich gesehen oder zumindest besucht habe. Ja, das halbe Land ist Simbabwe. Und das meine nicht irgendwie despektierlich. Und wenn, dann wären es solche Zwergstaaten wie Bahrain oder die USA gewesen, die so bezeichne. Aber der Statistiker in mir kommt nicht umhin zuzugeben, dass ich zwischen Sambia und Simbabwe nur mit einem Fuß in der Kornkammer Afrikas war. Und das auch noch mit Blick auf die Victoriafälle.

Also Kenia. Zunächst durfte ich Nanyuki für einen Fernsehdreh besuchen und war schon mal erstaunt, dass dieser Ort kein japansicher war und weit und breit kein Japaner zwischen den nun wirklich tiefschwarzen (politisch korrekt oder egal? – egal!) Einwohnern zu finden war. Nachdem ich nichts Japanisches mehr erwartete gab es auch keine Überraschungen dort mehr. Es sieht aus, wie eine eher kleine Stadt irgendwo in Afrika. Dann Nairobi. Unwesentlich mehr Japaner als in Nanyuki, aber viel mehr Schmutz und Verkehr. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich immer, dass der chaotische Straßenverkehr von Indien nicht zu überbieten sei und habe allen Großstädtern rund um die Erde gesagt, dass es bei ihnen nicht so schlimm wie angenommen ist, da sie eben Indien nicht kennen. Hier drehen sie aber fast noch mehr durch. 15 Kilometer zum Flughafen dauern da schon mal zwei Stunden. Aber das ist insofern egal, als dass man den Flughafen nicht braucht, weil es keinen Grund gibt, in Nairobi zu sein.

Nun bin ich in Mombasa und langweile mich tierisch. Der Strand ist wunderschön, die Hotels normal und das Essen nur bedingt afrikanisch, was ich bedauere. Am Strand selbst habe ich ein Phänomen entdeckt, das ich zwischen der Copacabana, dem Waikiki-Beach, Bronte-Beach und dem Kindheitsurlaubsstrand von Warnemünde noch nicht gesehen habe. Er ist beinahe durchweg von Verkäufern belagert, die mit dem Gesicht zu den Hotelfronten stehen, darauf wartend, dass man sich die paar Stufen runter traut, um dann krähengleich über einen herzufallen. Ich wollte nichts kaufen, sie wollten es nicht glauben. Und auch bei Nacht nicht. Das ist gespenstisch. Wenn der überwältigende Sternenhimmeln die einzige Lichtquelle ist und man zu ersten mal am Strand langspaziert, erschrickt man, wenn aus dem Dunkel eine Frauenstimme zu einem spricht. Außen den leuchtenden Augen und zwei weißen Zahnreihen ist nichts zu sehen. Diese öffnen sich dann kurz, bieten einem unverhohlen einen Blowjob zwischen eben diesen Zahnreihen an, um dann wieder in finstere Nacht zu verschwinden. Da könnte ich schon vor Angst nicht.

Aber eines muss man Kenia und besonders Mombasa lassen, es ist sexuell fair. In vielen Ländern habe ich gern dickbäuchige und alte weiße Männer gesehen, die mit jungen Asiatinnen, Latinas oder Afrikanerinnen rumtänzelten, so dass die Thrombose noch zuließ. In Momabasa halten sie sich mit ähnlich gebauten und ebenfalls thrombotischen weißen Frauen die Waage, die sich nun von gut gebauten Afrikanern betanzen lassen. In manchen Fällen soll es Liebe sein, in den meisten Fällen sieht es aber eben nach Rache für das andere Modell aus.

Ich will nachhause.

Alles hat sich verändert…

Posted by cw Mai 18th, 2011

… und die Reise ist auch nicht mehr, was sie mal war.  Was aber nicht bedeutet, dass sie schlechter geworden ist. Sie ist nur gänzlich anders. Die Überraschungen nehmen nach mehr als 2 Jahren Reise ab, die Selbstverständlichkeiten nehmen zu. Ob ich in Tokio, Kapstadt, Buenos Aires oder Los Angeles aus dem Flugzeug steige, wird immer egaler. Ich nehme ein Taxi oder einen Bus, fahre in das Hotel und mache es in fünf Minuten zu meinem neuen Zuhause. Nach mehr als 800 Nächten in Hotels auch kein Wunder. Ich fühle mich irgendwie beinahe überall wohl. Ja, das kann man unter „globales Dorf“ verstehen. Ich spreche mittlerweile darüber, künftig zwischen Bangkok und Buenos Aires zu pendeln. Schon mal auf den Globus geschaut, Weidling? Jaja, der Grenzstreifen zwischen Thailand und Argentinien ist ein klein bisschen breit.

Ich freue mich nach wie vor über Neues und bin immer  noch gespannt auf neue Erfahrungen. Nur nehmen die nicht gerade zu. Es ist mehr ein Wohlfühlen an die Stelle des Abenteuers gekommen. Ich weiß genau, wo ich in Las Vegas, Tokio, New York, Buenos Aires, San José oder Saigon essen gehen kann. Ich kenne Kneipen und Clubs in beinahe 100 Städten und freue mich immer wieder, wenn ich mal wieder da bin. Gestern noch in einem geliebten Jazz-Club von Saigon, heute in meiner Lieblingsbar von Bangkok und morgen im „Mama Africa“ in Kapstadt. Als wäre alles nur ein paar Straßen auseinander.

Die User und auch ich merken freilich auch, dass meine Bilder hier  seltener werden, die Geschichten ausgewählter. Es ist einfach alles normaler geworden. Die diesjährige Etappe hat noch mehr verändert. Nicht nur, dass ich immer bessere geschäftliche Kontakte in aller Welt pflege, mein Privatleben nimmt auch wieder an Gestalt an. Dachte ich noch im Januar, ich würde demnächst  länger in Costa Rica bleiben und mich zwischen einer Frau in Bogota/Kolumbien und einer auf Koh Samui/Thailand entscheiden, so hat mich endlich eine (die?) Frau in Bangkok geschnappt und macht mir klar, dass meine Reise einem nahen Ziel entgegensteuert. Ein schönes Ziel.

Doch noch werde ich weiterreisen,  Fernsehstücke drehen, meine Bücher endlich vollenden und weitere Geschäfte besonders in Südamerika und Asien angehen. Doch das „Heimziel“ wird wohl nicht mehr Deutschland sein. Deutschland wird nach nun ziemlich genau 2 Jahren und 4 Monaten immer mehr zu einem schönen Zwischenstopp bei geliebten Menschen.

Alles gut!

Melbourne vs. Sydney

Posted by cw März 30th, 2011

Düsseldorf und Köln. Leipzig und Halle. Dresden und Leipzig. Berlin und der Rest der Republik. Solche meist leisen Zweikämpfe gibt es weltweit. So wie Thailänder Kambodschaner skeptisch ansehen, so wie Nicas auf Ticas von Nicaragua nach Costa Rica schauen, so läuft das auch auf der anderen Seite der Welt ab. Zwischen Sydney und Melbourne gibt es so ein kleines freundliches Gefecht. Und ich war nun auf beiden Seiten der Macht. Und wo fand ich es nun besser? Ach, ich weiß nicht. Bei den oben stehenden Vergleichen würde ich mich für Köln, Leipzig und Dresden entscheiden. Ich bin eher auf der Thailändischen Seite und auf der der Ticas. Doch hier? – Ich weiß nicht. Sydney mit seiner Harbour-Bridge und der Oper ist schon eine Traumstadt. Melbourne ist mit 100 Kilometern Durchmesser nun auch nicht gerade eine Kleinstadt und hat wahrlich eine schöne Innenstadt. Beide liegen am Meer, in beiden lässt es sich hervorragend leben. Die Menschen begegnen einen hier wie da mit einem entspannten „No worries“ und alles geht einen coolen, wenn auch sehr großstädtischen Gang. In beiden Städten wird man mehrheitlich von Indern im Taxi gefahren und von Chinesen in den Supermärkten bedient. Deutsche liebt man queraustralienbeet. Teuer sind beide Städte über die Maßen und die Kultur wir in beiden Städten groß geschrieben. Essen kann man überall gut und beide Städte haben eine lebendige Szene bei Tag und bei Nacht und beide Städte liegen echt am Arsch der Welt. Von unserem kleinen Standpunkt aus gesehen. Also was nun? Ach naja, man muss sich ja nicht immer entscheiden, nicht immer Partei ergreifen. Ich bin hier die Schweiz und erkläre beiden australischen Metropolen den Frieden.

No worries!

Viel zu spät in Tahiti

Posted by cw März 30th, 2011

Der gute Eugène Henri Paul Gauguin war, geschichtlich gesehen, gerade erst hier. Vor gerade mal 130 Jahren. Recht hatte er. Die Insel ist, wie all die Nachbarinseln wie Bora Bora, traumhaft gelegen, die Menschen sind nett, das Wetter ist ein Traum und ja, hier konnte man sich mal so richtig wohlfühlen. Als Gauguin hier war und junge Frauen verführte und gar heiratete. Nun haben die Franzosen Tahiti vergewaltigt. Was übrig blieb ist eine Insel, die aussieht und sich anfühlt, als würde sie irgendwo an der Cote Azur liegen. Und läge sie dort, wäre sie sicher eine Reise wert. Nun aber hat das alles so gar nichts Exotisches mehr. Schade. Sehr sogar. Die Globalisierung macht ja viele exotische Paradiese platt, doch kaum irgendwo sieht man es so deutlich. Die Straßen, die Autos, die Straßenschilder – alles Frankreich. Und der hier urlaubende Franzose fühlt sich auch so, benimmt sich auch so und wird von den Polynesiern deswegen so gar nicht geliebt. Ich habe eine Inselrundfahrt unternommen und dabei mühsam die verbliebenen Schönheiten der Insel gefunden, um sie zu fotografieren und eine Fotogalerie zusammenzustellen, die dann doch nach was aussieht. Denn wozu sollte ich auch französische Straßenkreuzungen ablichten? Also wenn es Sie mal hierher verschlägt, legen Sie sich an den weiß aufgeschütteten Strand (der Originalstrand ist natürlich schwarz) und tun Sie sonst nicht viel. Außer Unmengen an Geld sinnlos auszugeben. Ansonsten findet man hier kaum etwas, was man zum Beispiel in Thailand nicht für einen Bruchteil des Geldes bekommt. Und hier der Satz, auf den man ein Leben lang warten kann: Tahiti ist ganz nett, aber Bora Bora ist wirklich schön.