Der Russe feiert

Seit drei Tagen bin ich nun in Russland. Genauer gesagt in Moskau. Und wie schon ein paar Mal auf meiner Weltreise so habe ich mir auch dieses Mal wieder ein besonders Datum ausgesucht, um vor Ort zu sein. Waren es zum Beispiel in Peking Chinesisch Neujahr und in Rio Karneval, so ist es hier der 65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg. Bei uns auch besser bekannt unter „2. Weltkrieg“ oder „Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte“. Hier jedenfalls feiert man. Am meisten feiern die Veteranen, die noch mal ihre Gardeuniform anziehen, sämtliche Orden eines Lebens (und vielleicht auch noch von einem verhinderten Nachbarn) anbringen und loslaufen.  Was ich dabei schön finde, überall haben meist sehr junge Menschen Blumen dabei. Und immer wenn sie einen dieser alten Recken sehen, neigen sie zum Ansprung, um einen angemessenen Teil des Blumenstraußes zu übergeben. Das wirkt schon sehr ehrlich und herzlich. Bei uns nicht vorstellbar. Nun gut, wir, oder besser, unsere Ahnen verlieren ja auch jedes Mal. Es fällt auch auf, dass besonders auch die Jugend stolz auf ihr Land ist. Überall sieht man Russland-Shirts und -Fahnen, Autokorsos mit singenden Jugendlichen und knallvolle Metros, weil man unbedingt nachts zum Feuerwerk muss. Ich war mittendrin (75 Minuten Metro, dreimal umsteigen und 25 Minuten laufen – je Strecke!) und das Feuerwerk war… nun ja, ein Feuerwerk. Nichts besonders. Außer vielleicht, dass ganze Gruppen von Menschen bei jedem etwas besseren Feuerball im Chor „Huuuuurrrraaaaaaa!!!!!“ schrien. Das hatte schon was. Auch Beängstigendes. Rund um das Feuerwerk gab es keinen Alkohol und ich habe auch nichts Mitgebrachtes registriert. Auf meiner vorigen Station Havanna habe ich viel mehr öffentlichen Alkoholkonsum, ach was, Sauferei gesehen als in Moskau. Auf nichts kann man sich mehr verlassen! Ansonsten lasse ich es hier noch ruhig angehen und werde demnächst mehr zu Moskau schreiben. Nur schon mal so viel: Man liebt Netzstrumpfhosen oder welche mit großen Mustern. Auch gern unter Jeans. Junge Männer tragen eigenwillige Frisuren. Die typischen russischen Frauen gibt es auch noch. Die Stadt ist toll und aufregend. Sie ist auch teuer und ein bisschen zu groß. Im Fernsehen laufen zig Kriegsfilme, in denen wir auch immer verlieren. Und erstaunlich viel Schulrussisch kommt in mir wieder auf. Einmal habe ich mit einem wohl richtigen russischen Satz geantwortet, den ich leider nicht verstanden habe. So ein Hirn hat schon ein Eigenleben. Verwirrend.

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