Dubai & Bahrain – Rausch im Sand

Mit dem Längsten zu prahlen, erwartet man eigentlich nicht in einem muslimischen Land. Ist aber so und Dubai ja auch recht. Denn da steht er: prächtig, riesig, phallisch, imposant und total bescheuert, der Burj Khalifa. Das höchste Gebäude der Welt. Und ja, ich habe es bestiegen (per Fahrstuhl!!!) und auf das Land heruntergeschaut. Und genau da oben fällt es einem noch mal besonders auf: Irgendwie passt das hier alles nicht zusammen. Die Wüste und die Wolkenkratzer. Die Männer in ihren baumwollenen  Kanoura und die protzigen Nobelkarossen. Das ganze modernen Blendwerk und die bis zu 100 Prozent verhüllten Frauen. Ganz Dubai schmeckt wie ein Marketinggang eines Buddelkastens auf Kokain. Da war ich gespannt, wie sich das nur 30 mal 20 Kilometer große Bahrain präsentieren würde. Nun ja, es ist alles etwas kleiner, aber die Idee ist die gleiche. Ich hatte in Bahrain das Glück, einen Freund nach Jahren wiederzutreffen, der kurz nach der Wende in Dresden mal sehr wichtig für mich war. Er lebt nun seit sieben Jahre in der Wüste, ist mit einer charmanten Äthiopierin verheiratet und hat mit ihr einen einjährigen Prachtsohn. Und er zeigte mir nun alles, was man in Bahrain sehen muss. In so einem kleinen Land wird da schon mal aus einem einsamen Baum in der Wüste das Nationalheiligtum „Tree of life“ und aus einer alten und ebenso einsamen Ölpumpe die  Ölquelle Nummer 1 mit Denkmalstatus. Ein besonders Spektakel in Bahrain ist es, wenn die Saudis am Donnerstag zum dortigen Wochenende für zwei Tage über die Grenze gedonnert kommen. Da bei ihnen alles noch ein bisschen strenger und gestriger ist, hauen sie sich in den Clubs von Bahrain mal so richtig die Rübe zu und tun auch sonst alles, was ihnen ihre Doppelmoral  in heimatlichen Gefilden verbietet. Am Freitagmorgen sieht man dann am Straßenrand die ganzen zerstörten Nobelkarossen der trunkenen Saudis und wundert sich mal wieder. Ich hatte in beiden Ländern eine gute Zeit. In Dubai, weil mir auch eine noch so lange Reise nicht die Fähigkeit zum Staunen und Wundern nimmt. Und in Bahrain, weil ich einen Freund wiedertraf. Zumal das auch wahrlich komische Elemente hervorbrachte. Da er nun in Bahrain Müllpressen und Müllkübel und so verkauft, hatte ich das einmalige Weltreiseerlebnis, jede grüne Tonne auf der Straße ausufernd zu feiern, da es eine von seinen ist. Und jeder silberne Tonne der Konkurrenz einen schnellen, grausamen und brutalen Tod zu wünschen, damit an deren Stelle eine grüne Tonne rücken darf.

PS: Mein persönlicher Lieblingsausrutscher war, als ich in einem Club beim Fußballschauen nach einem einheimischen Bier fragte. Manchmal ist man eben nur doof.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.