Jordanien und die Vorschusslorbeeren

Ich habe einen Freund, der oft von Jordanien schwärmt. Er war wohl zu „Wachengeistzeiten“ noch gar nicht hier und hat, wenn ich das richtig verstanden habe, seine traumhafte Vorstellung von Jordanien aus Kindheitserinnerungen und den Erzählungen eines väterlichen Freundes gewonnen. Wann immer mich jemand im Vorfeld eines Erstbesuches mit so vielen positiven Ideen und solchen Vorschusslorbeeren vollpumpt, versuche ich dann vor Ort, diesen Spuren zu folgen und ihm möglichst Recht zu geben. Das allerdings habe ich in Jordanien nicht ganz geschafft. Amman zum Beispiel ist eine Stadt, die keiner braucht. Gut, Halle/Saale braucht auch keiner, doch Amman ist irgendwie noch eintöniger. Die Gebäude, Straßen und Stadtteile sind sich in ihrer Ödheit so ähnlich, dass ich mir wie in einem Spiegelkabinett vorkam. Wenn eine Wüstenstadt auch noch komplett weiß getüncht ist, geht man Gefahr, schneeblind zu werden. Sonst nichts. Und es ist teuer. Man nimmt es von den Lebenden und findet immer noch einen Winkelzug, Extrakosten zu generieren. Service und Tourismusangebote fand ich enttäuschend. Doch natürlich ist da Petra. Zu Recht eines der neuen 7 Weltwunder. So atemberaubend schön ist diese alte und verfallene Wüstenstadt, dass sich einem die Haare auf den Armen aufstellen, wenn man in der glühenden Hitze stundenlang all das bewundert. Ein wirkliches Muss im Leben! Und natürlich war ich auch am Toten Meer und war auch hier tief beeindruckt. Sehr tief. Es ist zum einen imposant, am tiefsten Punkt der Erde mit 400 Meter unter Meeresspiegel zu stehen, und zum anderen flach auf dem unfassbar salzhaltigen Wasser zu liegen. Es in die Augen zu bekommen, trübt einen den Blick aber wiederum so sehr, dass man fast Amman schön finden könnte. Von den wundervollen Erlebnissen in Petra und am Toten Meer mal abgesehen, muss ich den Traum des Freundes wohl nach mal hinterfragen. Doch die beiden Erlebnisse haben Jordanien schon genügend reisewert gemacht.

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