Kopi Luwak, Bands & Co in Jakarta

Als ich auf dem Flughafen in Jakarta auf meinen Flieger wartete um nun das Land zu verlassen, traf ich einen Türken, der seit Jahren in Jakarta lebt. Er fragte mich, wo ich denn in Jakarta gewohnt hätte, und ich antwortete ihm schnell und aus voller Überzeugung: „Im Taxi“. Sein lautes Lachen verriet mir, dass ich da wohl nicht alleine war.

Sich in Jakarta, der größten Stadt Südostasiens, aufzuhalten, heißt einfach, Taxi zu fahren. Jakarta ist eine Stadt, in der die Aussage an der Hotelrezeption „Das ist gleich hier um die Ecke“, mit den Worten ergänzt wird: „Eine halbe Stunde mit dem Taxi. Wenn kein Verkehr ist.“ Ich habe versucht, Jakarta zu verstehen und ich muss zugeben, es ist mir nicht gelungen. Die ganze Stadt scheint so etwas wie ein Stadtzentrum nicht zu haben, vermeintlich angesagte Straßen entpuppen sich als dunkle Gassen mit ein paar Gaststätten, die auch immer keine direkten Nachbarn sind. Ganz Jakarta scheint so, als würden sie hier die Ausdehnung des Alls üben. Als hätte es mal so etwas wie eine überschaubare und verständliche Stadt gegeben, die aber nach einem Urknall stetig in der Ausdehnung begriffen ist und so auseinandergezerrt und wirr wirkt.

Aber ich konnte einige kuriose Erlebnisse durchaus finden, die es zu erzählen lohnt.

Schon am ersten Abend und erst in meinem dritten Taxi sah ich etwas, was ich zunächst wieder nicht verstand. Das Taxi hatte einen so genannten U-Turn zu vollführen, also an einer Art Kreuzung auf die gegenüberliegende Fahrbahn zu wechseln, um in die andere Richtung zu fahren. Das allerdings wollten einige, was wiederum der entgegenkommende Verkehr irgendwie egoistisch zu verhindern suchte und dann auch noch mit den Rechtsabbiegern der links von uns liegenden Straße eine Art Stau-Allianz bildete. Doch da sprang ein junger Mann auf diesem Verkehrsknotenpunkt rum und wirbelte mit den Händen und die Autofahrer gehorchten ihm. Und nicht nur das, eine überwiegende Zahl von nun bevorteilten Autofahrern öffnete neben dem jungen Mann das Seitenfester und gab im Geld. Ich war schwerst verwirrt. Wer war das? Später wurde ich aufgeklärt.

Diese Menschen nennt man hier „Polisi Cepe“ (ausgesprochen Dschepä). Und dieses „Cepe“ bedeutet „100“ und das auch noch nicht im Indonesischen sondern im chinesischen Wortschatz, weil man in Asien bei Geld sowieso immer nur an die Chinesen denkt, die als jene gelten, die am meisten verdienen würden und am geschicktesten im Umgang mit dem Geld sind. Den Ursprung hat das alles in einer Zeit, als man mit 100 indonesischen  Rupiah noch etwas angefangen könnte. Heute wären das 0,07 Cent. Heute lassen sich die Jungs mit ein paar Münzen oder ein paar Tausendern an Scheinen von jenen bezahlen, die kaum um die Ecke kommen und es dank ihnen dennoch schaffen. Dass diese „freiwilligen Helfer der Polizei“ das mit dem Segen der Polizei – der Polisi – tun und auch ein bisschen was von ihrem Geld an die Polizisten abdrücken, versteht sich fast von selbst….

Und es gibt zum Beispiel ein wirklich gutes und teures Restaurant hier. Das „Café Batavia“. Hier konnte ich auch nicht mehr länger widerstehen und habe den angeblich besten Kaffee der Welt probiert. Den „Kopi Luwak“. Eben jenen Kaffee, dessen Bohnen erst einmal der Fleckenmusang – eine Schleichkatzenart – fressen, dann die Bohnen wieder ausscheiden und so dem Kaffee die ganz besondere Note geben…. Nun ja, er war mit 8 Euro die Tasse für hiesige Verhältnisse sehr teuer, schmeckte gut und angenehm und von Schleichkatzenkacke war nichts zu spüren. Allerdings würde ich um diesen Kaffee zu trinken nicht nochmals nach Jakarta reisen.

Und dann ging es auch schon bald in die Nacht. Am Vorabend hatte ich im Hotel ein bisschen mit der Band gefeiert und die charmante Sängerin schrieb mir auf, wohin ich nachts zu gehen hatte. Dieser Hotelzettel wurde am nächsten Tag noch von meiner ebenfalls sehr charmanten Kellnerin im „Café Batavia“ ergänzt. Es sollte in den „X2 Club“ gehen, der in „Senayan City“ liegt und in allen Top-Listen des Nachtlebens ganz oben mit erscheint. Die Fahrt dauerte dann insgesamt gleich mal eine Stunde, inklusive diverser Gespräche am Straßenrand, wo dieser Laden denn sein konnte.

Endlich fanden wir ihn und er war wirklich prächtig. Er liegt in einem modernen Einkaufszentrum, von denen es einige in Jakarta gibt und die einem zeigen, dass da durchaus Geld in der Stadt rumschwirrt. Ab 24 Uhr füllte sich der Schuppen mit den reichen Kids der Stadt. Der Laden ist modern und teuer und zieht so eben ein gewisses Publikum an. Ich konnte damit wenig anfangen, weil alles zu aufgesetzt und zu schickymicky war. Ich sehnte mich mehr nach puren Leben und richtigem Feiern. Aber eines musste man den Laden lassen. Sie hatten verflucht kuriose Angebote, über die ich noch Monate später staunte. Whiskey und Wodka wurden gern flaschenweise angeboten und mein Lieblingsangebot waren die „Lucky three“, je drei Falschen Whiskey oder Wodka zu einem Vorzugspreis. Na dann  könnte die Feier ja losgehen. Geschlagen wurde aber alles vom „Geburtstags-Schnäppchen“ – je zwei unterschiedliche Flaschen Whiskey und Wodka und ein kleiner Kuchen, für nur 7 Millionen Rupiah, was immerhin auch beinahe 450 Euro waren.

So bleibt mir zu sagen, dass ich viel Kurioses in Jakarta erlebt habe und außer der „Freiheits-Moschee“, dem „National Monument“, den Platz um das Fatahilah-Museum und dem „National Museum“ nichts wirklich Interessantes gesehen habe. Dass die Menschen toll waren, Sängerinnen und Kellnerinnen charmant sind und mir reichlich Tipps auf einen Zettel schrieben, ich viel Armut, viel Chaos, und dann an manchen Stätten wieder viel Modernes gesehen haben, ich ein gutes Dutzend Taxen von innen besuchen durfte und nun weiß, dass die „Lucky three“ drei Falschen Whiskey für den gemütlichen Tagesausklang sind.

Ist Jakarta eine Reise wert? – Ja sicher! – Wenn Sie das Kuriose mögen!

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