Kuba – gestern, heute, morgen

Vor acht Jahren hatte ich schon einmal das Vergnügen allein in Kuba sein zu dürfen. Havanna kann ich also nun etwas vergleichen. Das erste was mir jetzt auffiel, sie haben nicht mehr diese verrückten Kamelbusse. Diese Dinger waren auf einem Sattelschlepper aufgelegt und waren vorne hoch, in der Mitte tief und hinten wieder hoch, was in einem die Erinnerung an besagte Wüstenschiffe aufkommen ließ. Dann habe ich damals vieles noch mit US-Dollar bezahlt und heute mit CUC. Diese konvertiere Währung erinnert mich alten Ossi ein bisschen an die Forumschecks der Spät-DDR. Und wir wissen ja, wie das ausging. Überhaupt, Freunde und ich nennen Kuba ja gern die DDR mit Sonne. Und da ist was dran. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich wieder an den Anblick von Lada, Moskvich und MZ gewöhnt. Vergessen hatte ich auch schon, wie dunkel Städte in der Nacht sein können. Doch an die Schaufenster gewöhne ich mich nicht. Denn nicht nur, dass da wie zu DDR-Zeiten nichts drin ist, auch der Gestaltungswille ist eher unterentwickelt. Vor acht Jahren wie auch heute ist Prostitution schwer verboten. Doch damals wurde ich nur mit jeweils einem Wort angesprochen und heute schon mal im ganzen englischen Satz. Dem immer gleichen, aber immerhin. Die Bildung steigt, die Polizei passt auf, die Mädels machen weiter. Die einst wundervollen Häuser verfallen weiter. Am Malecon und rund um das Capitolio sieht man, wie Tourismusdollar und UNESCO-Millionen einige Häuser renovieren lassen. Die wundervollen Autos der 50er und 60er Ami-Produktion gibt es immer noch, aber auch viel mehr moderne Autos. Die Nächte sind weiter alternativ und wirklich anders als in der Restwelt. Du musst schon wissen, wo du hinmusst. Und im Museuo de la Revolucion springen immer noch die Genossen Che und Fidel aus Pappmaschee aus einem Plastikbusch. Das habe ich damals schon zum Schreien gefunden und finde es noch komisch. Auf die Idee ist man in der DDR nicht gekommen. Ein Papperich auf einem Haus aus dem Metallbaukasten als aufstrebender Dachdecker wäre doch hübsch gewesen. Wenn man in einige Museen oder Hotels geht, die aus dem altem Bestand restauriert sind, bleibt einem der Atem stocken. Unfassbar, was da an Schätzen schlummert. Als alter Dresdner hat mich ganz Havanna an die Dresdner Königstraße des Jahres 1989 erinnert. Und wenn man sieht, was mit Milliarden von Euro aus Städten wie Dresden und Leipzig geworden ist, kann man für Havanna nur spekulieren. Denn entweder ist Havanna in 20 Jahren die größte Bauschutthalde oder die schönste Stadt der Welt.

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