Kyoto vs. Osaka

Woran erkennt man den Unterschied zwischen den beiden Nachbarstädten Kyoto und Osaka, ohne auch nur ein Haus gesehen zu haben? Man sieht in Osaka keine Weißen. Nun gut, das ist ein klein bisschen reißerisch übertrieben. Aber es ist schon so, in Osaka sieht man kaum erkennbare Touristen. Und wenn man sich dann sowohl Kyoto als auch Osaka angesehen hat, weiß man auch warum. In Osaka gibt es wirklich nicht so viel zu sehen. Obwohl mich die Unterwelt fasziniert hat. Also leider habe ich keine Yakuza-Unterwelt erlebt – die habe ich aber  total zugehackt und unglaublich freundlich und offen zu Außenstehenden am Strand von Ubara gesehen – sondern ich meine die unendlichen Tunnel und unterirdischen Passagen mit all den Geschäften und kleinen  Restaurants. Also eigentlich kann man den ganzen Tag in Osaka unter Tage verbringen und zum Auftauchen gibt es auch nicht so viele Gründe. Eine nette Großstadt eben, in der man sich wohlfühlen kann, aber kein Muss.

Anders ist Kyoto. Zunächst einmal verliert die Stadt das Duell, weil sie recht hässlich zugebaut ist und eine eigenartige Mischarchitektur hat. Doch schaut man in die Hinterhöfe und fährt ein bisschen rum, sieht man unfassbare Kostbarkeiten. Natürlich thront über allem der Goldene Pavillon. Den gesehen zu haben, lohnt schon alleine die Reise. Wirklich wundervoll und ergreifend. Dazu kommen der Kaiserpalast, der Silberne Pavillon und der atemberaubende und schlichte Steingarten in Ryōan-ji. Hier heißt es schon, Fassung bewahren und nicht “weinen”.  Und wer beim Spazieren durch einen Torii-Bogengang beim Inari-Schrein in Fushimi nicht sein Herz an diesen Ort verliert, der hatte auch keins.  Also wenn es wirklich einen Wettkampf geben würde, könnte ihn nur das charmante Kyoto des Abgelegenen gewinnen. Nur, keinem wird es auffallen, wenn er die Stadt das erste Mal betritt.

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