Pokern, schlemmen, tanzen – Swasiland

Swasiland Lady„Was soll ich denn hier?“, war der erste Gedanke, der mir in Swasiland durch den Kopf schoss. Aber diese Überlegung kommt mir auch immer in Halle/Saale und trotzdem war ich zu oft dort. Schon an der Grenze von Mozambique zu Swasiland wird klar, dass man nun wirklich woanders ist. Auf der einen Seite stehen sie in adretten, steifen Uniformen mit Ordenslametta, schauen grenzerstreng, lassen keine Fotos zu und tun fürchterlich wichtig, als wären sie Nobelpreisanwärter. Und dann steht auf der anderen Seite der Grenze ein Typ in abgelebter Jeans und einer ehemaligen Lederjacke, der nicht nur mal eben fix lächelnd den Schlagbaum erigiert, sondern so gar kein Problem hat, dass man an der Grenze filmt und fotografiert. Er wünscht, ähnlich wie das Willkommensschild, einen schönen Aufenthalt und hockt sich danach wieder irgendwo in den Schatten.

Speisekarte Swasiland

Nun ist Swasiland so klein, dass man sehr fix auf der Bremse stehen muss, um nicht über das Land hinauszuschießen. Dennoch habe ich es geschafft, mich zu verfahren. Das kleine Hotel lag irgendwo im Wald und hinter mit weiteren Schlagbäumen gesicherten Gebieten, die ich erst nicht durchfahren wollte, weil ich als Ossi noch an jedem Schlagbaum anhalte und salutiere bevor ich wegrenne. Das Hotel war wunderbar, das Essen ein Traum und so ging es weiter auf eine kleine – größer wäre auch schwer – Expedition. Die Hauptstadt Mbabane ist klein und mit mir waren wir acht Leute, oder so. Vom Parkdeck des mittig gelegenen Einkaufszentrums aus hat man nach einer Minute alles gesehen, wenn man sich Zeit lässt.

Pokern Swasiland

Ich hatte mich sogar als liebender Pokerspieler aufgemacht, nach Piggs Peak zu fahren. Es nennt sich selbst das Mekka des Afrikanischen Pokers. Das Casino ist schön gebaut und es gibt eine große Pokerzone nebst eigenem Fernsehtisch mit Kamerakran und so weiter. Aber die Stühle standen auf den Tischen und Mekka war irgendwie geschlossen. Also wieder weg da und andere Sensationen suchen. Da tanzten sie schon. Das kann man nicht beschreiben, das muss man sehen. Zum Glück hat es irgendwer das sehr schattige Gehüpfe bei youtube eingestellt. Ich fand es übrigens toll – irgendwie.YouTube Preview Image

Kondome Swasiland

Doch Swasiland ist freilich mehr. Ich habe es nicht versäumt, mich mit einigen Menschen aus Swasiland halbe Nächte durch zu unterhalten. Man ist, wenn das schüchterne Lächeln dem weißen Mann gegenüber einem interessierten Gesichtsausdruck gewichen ist, besorgt. Swasiland hat mit 42% die höchste HIV-Rate der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 32 Jahren. Das heißt in einem Land von knapp 1,4 Millionen Einwohnern, dass man schlicht ausstirbt. Das AIDS-Problem will man langsam in den Griff bekommen und so liegen zum Beispiel auf allen öffentlichen Toilette Unmengen von kostenlosen Kondomen rum.

Schüler Swasiland

Mich haben die Menschen von Swasiland beeindruckt. Zunächst einmal sind sie gut drauf und verströmen mehr Lebensfreude als zum Beispiel die Nachbarn in Mozambique. Obwohl es keine Schulpflicht gibt, geht die Mehrheit der Kinder doch zur Schule. Über welche Landstraße man auch immer fährt, eigentlich ständig kommen einem bei Tage Schüler in ihren stolzen Uniformen entgegen und man weiß, sie haben täglich einen ziemlichen Marsch und größere Strapazen auf sich zu nehmen, um zu lernen.Ein Hobby würde ich ihnen aber gern abgewöhnen. Beinahe bei jeder Fahrt liefen Kinder und Jugendliche – meist Mädchen –  auf mein fahrendes Auto zu und ich hatte den Eindruck, wer mit seiner ausgestreckten Hand dem nahenden Tod am nächsten kam, gewann. Da wird einem nun wahrlich ganz anders. Ein Kind irgendwo in Afrika als weißer Mann anzufahren, ist für alle Beteiligten sicherlich die Hölle. Mir wurde das erspart. Aber die Vorsicht blieb. Denn auch mitten in der Nacht und auf der Autobahn kamen mir Jogger entgegen. Ich weiß nicht wie ich das sagen soll, ohne dass es eventuell rassistisch klingt, aber man sieht den schwarzen Mann bei Nacht einfach nicht. Also wirklich liebes Swasiland, so tut man nichts für eine höhere Lebenserwartung. Reiseempfehlung für Swasiland?  – Unbedingt!

Gesicht Swasiland

23 thoughts on “Pokern, schlemmen, tanzen – Swasiland

  1. Danke für den tipp. Swasiland scheint ja eine reise wert zu sein.

  2. Die Landschaft ist dort auch wunderbar. Es gibt zwar keine großen Tiere, aber es ist dort grün wie in Schottland oder so. Wunderbar.

  3. Das Thema AIDS ist wirklich ein Horror in ganz Afrika. es freut mich zu sehen, dass sie es dort angehen. Aber es so traurig, daß diese Länder dadurch so zerstört werden.

  4. Ja, HIV ist wirklich ein Problem. Sorry, aber mir fällt da immer ein, was Fürstin von Turn und Taxis gesagt hat: Sie schnackseln da eben gern.

  5. Schöne Geschichte mal wieder. Und wieder ein Land, auf dass du mir Lust machst. Eine frohe Vorweihnachtszeit in Bangkok wünsche ich.

  6. Guter Facebooktipp, da über den Jahreswechsel hinzufliegen. Wie teuer ist es den dort?

  7. Tolle Erlebnisse hast du dort. Die Speisekarte ist ja wunderbar. Ich will da nicht hin aber essen würde ich schon mal da gerne.

  8. Vielen Dank für die ersten schnellen Kommentare. Ja, die Landschaften erinnern wirklich an Schottland oder Irland. Satte grüne Hügel soweit das Auge reicht. Die Preise sind etwas günstiger als in Südafrika. Ich habe mal geschaut, über swoodoo bekommt man aktuell Flüge ab 800€ nach Johannesburg. Und von da sind es noch 4 Stunden mit dem Auto.

  9. Also ich werde immer neugieriger. Wie hieß denn das Hotel und das Restaurant mit der tollen Karte?

  10. Tolle Geschichte. Wieder! Ich finde das Foto mit der Frau und Baby am Zaun geil.

  11. Du pokerst also immer noch. Ich weiß nicht ob Du Dich an mich erinnerst aber wir haben mal zusammen die Poker-EM in Wien gespielt. Und leider musste ich vor dir den Tisch verlassen. Komm mal lieber nach Köln zum pokern, da musst Du nicht nach Afrika fliegen.

  12. Tanzen auf der Straße und Kondome für alle – Swasiland ich komme!

  13. ich habe mal gehört, dass die so viele Eukalyptusbäume angeplanzt haben, daß die jetzt ein Problem damit haben. Sieht man das?

  14. @Simone: Es ist nicht sehr gefährlich. Und besonders für Afrika dürfte es als recht sicher durchgehen. @Serge: Leider nicht. Aber gut, dass ich dich wohl vom Tisch genommen habe. ;-) @Kleene: Ich habe keine wirkliche Ahnung. Natürlich sieht man überall Eukalyptus- und Pinienbäume, aber ein wirkliches Problem habe ich noch nicht gesehen. Ich hörte aber davon, dass die vielen Bäume Einfluss auf die Tierwelt hätten. Ich weiß nicht genau, weil es so dicht ist, gibt es zu wenige Tiere, die am Boden laufen oder zuviel, die auf Bäume klettern oder so. Ich bekomme das nicht mehr zusammen.

  15. Ich kenne Swasiland nur von einem Tagesausflug vom Krüger-Nationalpark aus und mir hat es da sehr gefallen. Ich fand, dass ist ein bisschen wie eine Ruhezone zu Südafrika.

  16. Ich möchte dir mal ein Kompliment machen. Ich finde es großartig, dass du auch über Länder wie Mosambik und Swasiland schreibst. Dein Thailand ist sicher toll, aber wir alle sollten vielmehr nach Afrika schauen. Dieser Kontinent – die Wiege der Menschheit – ist so geschunden, dass wir ihm volle Aufmerksamkeit widmen sollte. Und ich habe bei deinen News gesehen, dass du dich nun auch noch mehr Afrika widmen willst. Bitte tu das, die Welt muss auf Afrika schauen.

  17. Ja, Georg, das ist es! Es liegt ja auch wie eine Insel in Südafrika. Und Sabine, du sprichst mir aus dem Herzen. Ich liebe Asien sehr und mag Südamerika. Doch Afrika nimmt mich immer wieder gefangen. Das schaffen in meinem Fall sogar Japan und Thailand nicht auf diese Art. Afrika bleibt Sehnsucht und ja, ich möchte mich mit meinen bescheidenen Möglichkeiten auch darum kümmern, etwas für Afrika zu tun. Und du hast absolut recht, wir dürfen Afrika nicht noch mehr abhängen, sondern müssen Afrika “mitnehmen”. Und wer sich einmal etwas mehr mit Afrika beschäftigt hat, wird dem immer sofort zustimmen.

  18. Das klingt super. Deine neue Route klingt ein bisschen gefährlich. Ich mochte deine Art schon immer. Und wenn du aus dieser Gegend tolle Geschichten mitbringt und dann noch hilfst, noch mehr.

  19. Sagen Sie mal Herr Weidling, was zieht Sie eigentlich dauernd in die Welt? Und wie kommt man denn auf die Idee nach Swasiland zu reisen? Ich wusste bis eben nicht wo das liegt.

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