Liebe geht durch den Magen

Vor anderthalb Jahren habe ich bei meinen Erstbesuch in Tokio Japan eine Liebeserklärung geschrieben. Wer noch nicht genau weiß, ob er Japan mag oder nicht, ob ihm zum Beispiel Tokio zu hektisch ist um wunderbar zu sein, ob ihm die Regeln, die unaufhörliche Höflichkeit und die Tausend anderen Dinge, die Harmonie erzeugen sollen, zu anstrengend sind, der sollte essen gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man ein wie auch immer geartetes Vorurteil, eine Angst vor dem durchaus Suspekten oder eine Argwohn gegenüber all den Verbeugungen aufrecht erhalten kann, wenn man frisches Sashimi zwischen den Stäbchen hat. Wer kann Furcht vor der Metropole Tokio haben, wenn er sich abends niederlässt und einen „Gin Dara – Miso Glazed Black Cod“ isst? Geht nicht. Die Kunst in Tokio ist es, all der Hektik zu entfliehen, um eine Ramen zu essen. Dafür muss weder bei Tag noch bei Nacht ein edles Restaurant angesteuert werden. Beinahe jedes kleines Eckrestaurant wird dich den ganzen Trubel vergessen lassen, wenn du erst einmal isst. Wenn man einem Japaner sagt, dass man eine andere Stadt oder auch nur einen kleinen Ort innerhalb Japans besucht, wird er immer mit Essen antworten. Reflexartig wird er dir sagen, dass man eben in jenem Ort das beste Rindfleisch, den besten Fisch oder nur den besten Baumkuchen hat. Orte haben in Japan quasi Speisekartenuntertitel. Und wenn man zurückkommt, so bringt man selbstverständlich etwas von den Leckereien den Zuhausegebliebenen mit.  Ich habe nun auch rund um die Welt gegessen. Und nun ahne ich es nicht nur mehr, sondern jetzt weiß ich es: Nirgends versteht man auf der Welt so viel vom Essen wie in Japan. Von der naturbelassenheit der Produkte, vom Eigengeschmack aller Zutaten. Von der Harmonie eines Gerichtes. Ich habe mich mit einem weit gereisten Japaner auch über das Essen in Japan und Europa unterhalten. Und mit all der typischen Zurückhaltung und nach heftigen Nachfragen meinerseits sagte er mir, dass er das Essen in Deutschland immer irgendwie versalzen findet. Ich weiß genau, was er meint.

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