Mal eben Brunei?

Beginnen wir mit einem  PS von 2019: Seitdem der Sultan gleichgeschlechtliche Liebe unter Todesstrafe stellt, gibt es einen Grund mehr, Brunei nicht zu besuchen. Zugegeben, es ist eine Maßnahme gegen die Langeweile, sich am besten öffentlich gleichgeschlechtlich zu lieben und dann die sportliche Herausforderung zu suchen, dem Henker zu entfliehen, aber wer will schon so ein rückständiges Land unterstützen.

Ich war 2015 hier und schrieb: Es ist wahrlich nicht so, dass Malaysia nicht groß und spannend und zudem oft auch schön genug ist, dass es noch einen Ausflug nach Brunei braucht. Aber wenn man schon mal „in der Ecke“ ist, kann man ja auch mal fix zum Sultan düsen.  Brunei ist irgendwie schon auch Malaysia. Man spricht die gleiche Sprache und die Menschen sind nicht wirklich voneinander zu unterscheiden. Der größte Unterschied ist aber, dass man ganz Brunei eine Art Valium-Infusion gelegt hat. Es ist so  ziemlich der langweiligste Ort der Welt. Woran nur mache ich das fest und erlaube mir, ein ganzes Land mit immerhin gut 400.000 Einwohnern, der kollektiven Verschlafenheit zu bezichtigen? Na sagen wir mal so, ich hatte mir vorgenommen, für drei Tage zu bleiben, habe mich am Abend des ersten Abends gefragt, was ich nur am zweiten Tag hier tun sollte und war am Abend des zweiten Abends wieder weg.

Sie werden sich fragen, ob man so eine „Reiseempfehlung“ formulieren kann. Nur, wenn Sie den ultimative Asientipp für  persönlichen Müßigganges und Langeweile suchen.

Als ich aus dem gerade erweiterten Flughafen von Brunei in ein Taxi stieg, lernte ich vom Taxifahrer sofort drei Dinge: 1. Es gibt im ganzen Land nur 45 Taxen. 2. Es gibt durchaus Stau in Brunei. An manchen Morgen für maximal 20 Minuten. Und drittens: Die Tatsache, dass es nur 45 taxen gibt, lässt diese noch unverschämter zuschlagen als sonst wo auf der Welt. Und so zahlte ich 25 Brunei-Dollar, ungefähr 16 Euro, für 10 Minuten Fahrt.

Aber es muss doch was zu sehen geben, ….in Brunei???! Sicher, gibt es. Für ziemlich genau einen sehr schönen Nachmittag. Es gibt die wunderschöne  Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee, die teils von muslimischer und teils italienischer Architektur beeinflusst ist und in einer künstlichen Lagune liegt. Und es gibt die wirklich spannenden, „Kampong Ayer“ genannten, Wasserdörfer, mit ihren auf hohen Stelzen über dem Wasser gebauten Langhäusern. Vom Wasser aus hat man auch den besten Blick auf das „Eigenheim“ des Sultans. Das gesamte Gelände ist größer als die gesamte Vatikanstadt. „Istana Nurul Iman“, der Palast selbst, verfügt über 1.888 Räume auf einer Fläche von 200.000 Quadratmeter und steht damit als größte bewohnte Residenz der Welt im Guinness Buch der Rekorde. Aber näher ran kommt man auch nicht…..

Na gut, gesehen, und nun?

Als ich meinen Fahrer fragte, was er eigentlich so macht, wenn er nicht arbeitet, antwortete er, Billard und Darts spielen und sich ausruhen. Und dann kam eine Antwort, die ich von einem 25-Jährigen nicht erwartet hätte. Der beste Platz in der Stadt – und somit im ganzen Land – sei das historische Museum. Ich besuchte es, und es war wirklich sehr schön und interersannt. Aber dass ein junger Kerl das Museum für das Spannendste der Heimat hielt, sagte mir alles über das Land. Es gibt aus religiösen Gründen nicht so etwas wie ein Nachleben. Das muss natürlich auch nicht immer sein. Aber ein bisschen mehr Leben würde dem Land dennoch gut tun.

 

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