Maputo braucht kein Mensch

Visum MBKennen Sie das Wappen von Mozambique? … Nein? … Dazu später mehr.

Ich mietete mir ein Auto in Südafrika und wollte durch Südafrika, Mozambique und Swasiland fahren. Der Autovermieter lächelte bei Südafrika, nickte bei Swasiland und holte Versicherungsformulare und ein zweites Warndreieck bei Mozambique raus. Dieses Land gilt als nicht besonders freundlich und als sicher wahrlich nicht. Na und? Ich überlebte auch Johannesburg, Bogota, Caracas, Halle/Saale und andere Orte, die ihre Gastfreundschaft geschickt zu verbergen wissen. Also auf nach Mozambique. Ich habe es mir auf meinen vielen Reisen dann doch zur Gewohnheit gemacht, vorher zu schauen, was das Auswärtige Amt zu Zielen denkt und befürchtet. Angefangen hatte dies in Venezuela. Denn ich saß schon im Hotel in Caracas als ich die Seite des Auswärtigen Amtes aufrief und diese mich anzuschreien schien: „Renn!“ Vor dem Ritt nach Maputo also schaute ich erneut hinein und muss sagen, es hat meinen Neven nicht eben geholfen. Man rät schlicht ab. Sehr witzig fand ich, dass man mich auch dafür sensibilisieren wollte, dass es drei unterschiedliche Arten von Polizisten zu geben schien, von denen ich Unterschiedliches aber nichts Gutes zu erwarten hätte. Ich verwarf die Warnung und wurde gefühlte 30 Zentimeter nach der Grenze das erste Mal von einem dieser Polizistenpaare angehalten. Das heißt, einer stand an der Seitenschreibe, der andere saß an einem Tisch im Busch. Er wollte sämtliche Papiere inklusive des Original Fahrzeugscheines sehen. Ich lachte die Idee weg und wies darauf hin, dass man das Original weltweit von keiner Autovermietung bekommen  würde. Er überschlug kurz und wollte dann umgerechnet 1.000,-€ Strafe habe. Ich lachte wieder, nur kehliger. Er lief zu seinem Kumpel am Tisch und kam wieder. Er rieb sich den Bauch, meinte Hunger zu haben und dass die Strafe auf 10 Euro gefallen wäre. Ich überlegte mehr aus deutscher Gründlichkeit, was mir das Auswärtige Amt empfohlen hatte. Ich solle kein Geld rausgeben, wenn, dann nur gegen Quittung und nur einem mit blauer Mütze oder grauem Hemd oder grüner Unterwäsche, ich hatte es vergessen. Ich gab ihm die 10 Euro, lächelte mit ihm dem Auswärtige Amt entgegen und fuhr weiter. Nun immer knapp hinter größeren Fahrzeugen, damit keiner mehr mein südafrikanisches Nummernschild sehen konnte. So bin ich bis Maputo an weiteren acht Holztischen mit Polizisten im Busch vorbeigekommen.YouTube Preview Image

Das schöne MaputoIn Maputo kam ich nicht zum gebuchten Hotel, weil die Fähre auf die andere Seite der Stadt kaputt war. Mit Schmerzen im Blick checkte ich in eines der teuersten Hotels meiner Weltreise ein. Fünf Sterne, sehr schön und teuer. Aber sicher. Noch am Abend wollte ich mir ein bisschen die Stadt besehen. Vom Fahrstuhl ging es 20 Meer bis zur Hoteltür und auf diesem Weg wurde ich fünf mal gefragt, wo ich hinwollte. Auf die Antwort: „Spazieren und Umschauen“, folgte die Frage: „Warum?“ Und auf die Antwort „Interesse“; die dringende Ermahnung, aber wieder vor Dunkelheit da zu sein. Das Hotel lag im Botschaftsviertel und nah am Wasser. Es hätte dort schön sein können, war es aber nicht. Ich habe schon viel erlebt, aber die Blicke derer, denen mein plötzlicher Schocktod ziemlich egal gewesen wäre, war neu. Mir hat keiner was getan und mich auch keiner blöd angequatscht, zudem waren sie dann in Gesprächen nett, aber es war dieses bedrohliche Gefühl, das ich bisher nur aus Caracas kannte.

Der nächste Tag war gänzlich einer Stadtbesichtigung gewidmet und natürlich hatte man auch hier die berühmten „schönen Ecken“ wie den Bahnhof von Gustav Eifel, eine kleinen Park, ein paar Denkmale und einen eher verdreckten Strand. Ich traf auch George aus England, der das hiesige Casino leitet und mir versicherte, dies sei der schönste Platz auf Erden. Na wer weiß, aus welcher britischen Einöde er entkommen war.

Deutsch in MaputoDas schönste war eigentlich, dass ich in Maputo oft Deutsch sprechen konnte. Mein selbsternannte Bodyguard, der mich begleitete, weil er meinte, es müsse sein, sagte einen Satz, auf den ich im Leben nicht mehr gehofft hatte: „Die schönsten sieben Jahre meines Lebens verbrachte ich in Bitterfeld!“ Nun ja, er war jung, als er in der DDR als Gastarbeiter ankam, verliebte sich in eine deutsche Frau und genoss das Leben. Verständlich. Ich sagte ihm dann noch, dass ich eine gute und eine schlechte Nachricht für ihn hätte: Bitterfeld ist jetzt viel schöner als zu DDR-Zeiten, aber er würde da nie wieder einen Job bekommen.

Tasse MB

Ich war jedenfalls froh, als ich Mozambique Richtung Swasiland verlassen durfte. Das mit 70 Euro sehr teure, wenn auch farbefrohe Visum hat sich nicht gelohnt. Und ich habe eine Lektion gelernt: Reise nie in ein Land, mit einer Kalaschnikow im Wappen.

Reiseempfehlung für Mozambique? – Nie im Leben!

15 thoughts on “Maputo braucht kein Mensch

  1. Fahr nach Rügen an den Strand, wenn es dir nicht in Maputo gefällt.

  2. Vielleicht sollte man dort besser selbst eine Kalaschnikow mitnehmen.

  3. Ich war mal eine ganze Zeit in Südafrika und bin auch rumgefahren. Lesotho ist ok, Swasiland is ok, aber Mosambik ist wirklich murks.

  4. Wir hatten hier zu DDR-Zeiten viele Mosambikaner als “Gastarbeiter” im Kombinat. Die waren immer nett und sehr fleißig. Und so weit ich das beurteilen konnte, haben sie wichs ehr wohl gefühlt in der DDR. ich finde es schade, daß man heute nicht mehr darüber spricht, wie wichtig die DDR für einige Länder wie auch Vietnam, Kuba und Chile war. ich weiß, man kann das heute nicht mehr sagen, aber es war wirklich nicht alles schlecht in der DDR.

  5. Na komm Simone, die Mosambikaner wurden im Osten auch nur ausgenutzt wie die Türken im Westen.

  6. Also Paulchen, das sehe ich ja nun gar nicht so. Denen ging es nicht nur gut in der DDR, sie kamen auch super ausgebildet zurück nach Afrika, sprachen Deutsch und konnten als Fachleute in Afrika helfen, Mosambik aufzubauen.

  7. Schöne Geschichte Herr Weidling. danke. ich habe zwar nicht vor nach Moçambique zu reisen aber Afrika fasziniert mich schon. Ich träume aber meh von Südafrika. Dort soll es ja auch nicht ganz so gefährliche ein. Viel Spaß noch unterwegs und bitte schreiben Sie weiter Reisegeschichten. Liebe Grüße aus Kiel

  8. Danke für eine erneut spannende Geschichte. Nur gut, dass Maputo nicht ganz oben auf meiner Urlaubswunschliste steht.

  9. Was treiben Sie sch eigentlich in dieser Gegend rum? Ich habe noch nichts davon Gelsen, sie waren schon auf den Malediven. Maputo!!! Also ehrlich!!!

  10. Komm zurück nach Tokio. Hier ist es schöner. Und ganz sicher ungefährlicher. Liebe grüße aus Akihabara.

  11. Vielen Dank für die netten Kommentare. Eins nach dem anderen. Also Ernesto, so heißt der Mann aus Maputo/Bitterfeld, hat die Zeit in der DDR wirklich genossen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Und nein, man muss nicht bewaffnet nach Maputo fahren. Erst einmal muss man gar nicht dahin fahren, aber wenn, kann man dort eine großartige Zeit haben, wie es George ja hat. Nur mir gibt das dort alles gar nichts. Die Malediven? – Kommen noch! Tokio? – Immer wieder gern! Maputo-Thailand? – Verstehe ich nicht. Demnächst auch ein paar Zeilen zum Tripp nach Swasiland, was ich wirklich sehr mag.

  12. Sorry an alle Bitterfelder, aber die Krönung des Artikels ist die gute und die schlechte Nachricht :)

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