Mit dem Moped durch Bali

Bevor Sie mit dem Moped über Bali düsen, lassen Sie uns noch mal fix die Größenverhältnisse richtigstellen. Sie können sich in der Zeit, in der ich Sie aufkläre, ja schon mal ein Moped und einen Helm ausleihen. Und seien Sie nicht so egoistisch, leihen Sie auch Ihrem Sozius einen Helm aus. Vielleicht brauchen Sie ihn ja noch. – den Sozius. Also, während Sie sich nun ein Moped für um die 5 Euro am Tag ausliehen und auch noch eine kleine Versicherung für vielleicht einen Euro am Tag unterschreiben, sei Ihnen noch mal gesagt, Bali ist 95 mal 145 Kilometer groß. Ich meine, hier haben vier Millionen Einwohner Platz. Da können Sie sich nicht einfach so aufs Moped schwingen und die ganz Insel erkunden. Dafür bräuchten Sie dann doch einen ganzen Jahresurlaub und vor allem auch ein ausgewogenes Training für Ihre Sitzmuskeln. Denn Ihnen wird schon nach einer längeren Tagestour der Hintern rumoren.

Ich gehe davon aus dass Sie nun das Moped ausgeliehen haben und aktuell schauen, wo der Benzintank ist. ….Weiß ich auch nicht, aber schauen Sie doch mal unterm Sitz nach! … Ich erzähle Ihnen solange noch was. Eine solche Tour in Bali macht wirklich Spaß. Denn die Straßen sind gut ausgebaut, Tankstellen gibt es alle paar Kilometer, und gibt es mal keine, verkaufen Straßenhändler Schnapsflaschen mit Benzin für die weiterfahrt. Gefahren wird bitte links, die Mopeds sind auf der Insel in der Überzahl, die Autos holen aber auf, und jeder hilft Ihnen sofort und freundlich, wenn Sie nach dem Weg fragen. Es wird viel aber nur kurz gehupt, um anzuzeigen, dass man sich nähert und der andere jetzt bitte keinen endgültigen Blödsinn machen soll. Jeder passt auf seinen Vordermann auf und eigentlich hat keiner die Absicht, einen Touristen grundlos über den Haufen zu fahren. Also sind nicht nur Ihrer Erlebnischancen auf einer solchen Tour groß, sondern auch Ihre Überlebenschancen.

Sie haben sich nun sicherlich mittlerweile auch zeigen lassen, wo die Blinker und das Licht angehen. Jetzt rufen Sie den Instrukteur noch mal zurück, er soll Ihnen sagen, wie man hupt. Das brauchen Sie wirklich. Und bevor Sie sich den Helm aufsetzen, noch ein paar kleine Ideen und Tipps zur Reise mit dem Moped. Zunächst, cremen Sie sich Arme und Gesicht mit Sonnencreme ein. Sie werden staunen, wie brutal Sie die Sonne auch erwischt, wenn Sie glauben, ihr mit 50 km/h entkommen zu können und hoffen, der Fahrtwind würde Sie schon kühlen.  Die Erde rast mit mehr als 100.000 km/h durchs All und die Sonne erwischt uns immer, da machen Ihre paar Moped-km/h nun auch keinen Unterschied mehr. Zweitens, nehmen Sie Reisepass und Führerschein mit. Ich bin nie angehalten worden und musste beides nie vorzeigen. Nur wenn es passiert, sollten Sie sich ausweisen können. Können Sie es nicht, werden Sie wohl recht schnell an einer eher zwischenmenschlichen Lösung mit dem Polizisten arbeiten, der sich danach wieder von seiner sehr versöhnlichen Seite zeigt und auf Ihre Kosten am Abend ein paar trinken wird. Und dann verlassen Sie die Städte. Sie werden bald feststellen, dass es viele Einbahnstraßen gibt und Sie nicht immer sofort wissen, wo Sie nun stecken. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn nichts ausgeschildert ist, hat sich auch noch nichts verändert. Also immer weiterfahren, es wird schon wieder ein Schild auftauchen.

Und dann genießen Sie die Tour. Als ich unterwegs war, musste ich das erste Mal auf meinem Moped so laut auflachen, dass es im Helm wiederhalte und dröhnte. Ich hatte gerade festgestellt, wie cool es ist, auf einer Landstraße zu fahren und dabei statt heimischer und schöner Rapsfelder mal Reisfelder auf beiden Seiten zu haben. Wann immer ich es etwas entdecke, was sich zu fotografiere lohnte, hielt ich an. Und ich konnte bei jeder Bremsung auf offener Strecke sämtliche Erziehungsberechtigte meines Lebens im Kopf hören, die fragte „Ja was, wenn das nun alle täten?“… Das war mir egal, ich stoppte, ich ließ andere ein klein wenig ausweichen und fotografierte, wonach immer war. Bauern in den Reisfeldern, Vogelscheuche mit spitzen Hüten, viele Kunsthandwerker, die Buddhafiguren, Holzschreine, Glasbläserarbeiten, Kunst und anderes Spannendes ausstellten.

Ich hielt vor kleinen Hindutempeln, einfachen Hütten, noblen Hotel-Komplexen, an Klippen, Wasserfällen, Sonnenuntergängen, einer Beerdigung, Menschenaufläufen, einer hinduistischen Vollmondzeremonie und einsamen Gegenden. Und immer wieder an tollen Stränden. All das sollten Sie auch tun. Sie werden es lieben und viiiiieeeeel grinsen. Behalten Sie den Himmel im Auge und wenn es zu regnet beginnt, suchen Sie sich einen Unterschlupf. Denn hier kann es extrem heftig regnen. Und haben Sie keine Sorgen wenn Sie erst im Dunklen wieder ankommen, die Straßen sind gut ausgebaut und Sie werden schon nicht in einem Schlagloch verschwinden. Und reagieren Sie nicht verschreckt, wenn wilde Hunde am Straßenrand lauern. Die wissen, wie gefährlich eine Straße ist und werden ihnen schon nicht ins Vorderrad springen.

So, haben Sie jetzt alles für Ihre Ausfahrt? Kamera, Pass, Geld, Sonnencreme, genug Wasser, Sonnenbrille, Mut, Talent, und das Wissen um den Linksverkehr?! Helm auf, und viel Spaß. Das wird großartig!

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