Mit dem Taxi durch Peking

Wer sonst keine Probleme hat, sollte Taxi in Peking fahren. Also mitfahren. Als Fahrer sind wir da alle nicht geeignet. Wir verstehen die Sprache nicht und können die Schilder nicht lesen. Doch das könnte man ja noch lernen, auch wenn ich staunte, dass mein Taxifahrer trotz zweifelsfreier Beherrschung der Sprache wohl Schilder nicht verstand und so zum Verfahren neigte. Es muss da aber eine Zusatzausbildung geben, die uns wohl für immer verschlossen bleiben wird. Sie hat es derart in sich, dass ich mich frage, ob es überhaupt zu lernen ist, oder ob uns da schon die eigenen Gene vor dem Sitz hinterm Taxilenkrad bremsen. Die einzelnen Lektionen sind schnell zu umschreiben: Sekundengenau aller 60 Sekunden den Rotz hochziehen, Marathonkatschen und Fensterschlitzzielspucken. Nun gehören Taxifahrer selten zur Bildungselite. In Deutschland leider manchmal schon, was der Akademikerschwemme auf den Arbeitsämtern geschuldet ist. Doch die Taxifahrer in Peking dürfen offensichtlich keinen IQ über ihrer Höchstgeschwindigkeit haben. Die meisten fahren leider in jeder Beziehung nur innerorts. Ohne einen vorbereiteten Adresszettel in Chinesisch geht freilich nichts. Das weiß man, da ist man vorbereitet und lässt sich in der Hoffnung, die helfende chinesische Hand wolle einen nicht nach Russland schicken, von ihr das Ziel in uns absolut unverständlichen Schriftzeichen notieren. Aber selbst dieser kryptische Text ist keine Garantie für irgendwas. Nicht dafür, dass der Taximuffel dich überhaupt mitnimmt, und nicht dafür, dass er dein Ziel so sicher findet wie sein Finger das Nasenloch. Zum Gück ausschließlich das eigene. Da kennt er sich aus, das findet er blind, dort hat er schon viel Zeit verbracht. Unbedingt sollte auf dem Zettel mit den rätselhaften Zeichen die Telefonnummer des Zieles stehen. Die ruft das popelnde Genie unterm Duftbaum dann gern und ausgiebig an. Und mehrfach. Dann und nur dann hat man eine Chance. Es folgen endlose, unmotivierte Spurwechsel und ein ausuferndes Brems-Gas-Brems-Potpourri, das dich den Passanten wie zum Gruße unentwegt zunicken lässt. Man ist als Reisender in de Fremde ja so verflucht freundlich. Als Zugabe erschallen dann natürlich noch diverse Fahrerlaute, die dich glauben lassen, dass Auto sei im Selbstzerstörungsmodus. Als – nennen wir es mal etwas euphemistisch – “Fahrgast” etwas zu sagen ist doppelt sinnlos. Da der Taxifahrer mit 8 Köstlichkeiten es weder versteht noch kapiert. So hockt er da in seinem gelben Taxifahrerhemdchen und erforscht seinen Körper. das hier beschriebene Exemplar hatte zudem eine schier unstillbare Freude daran, sein linkes Schienbein zu kratzen, so dass ich mich unwillkürlich fragte, ob er da nicht mal durch sein müsste. Ein Kompliment muss in diesem Fall ohnehin gestattet sein, wie er zwischen Popeln mit Rechts und Kratzen mit Links den suchenden Wagen zu steuern vermochte, erklärt uns, wieso China so auf dem Vormarsch ist. Es ist die unbedingte Fähigkeit zum Multitasking. Als mein gelber Freund (Hemd!) mich zum Flughafen fuhr und bei der Anzeige „Airport 20 km“ zum sicherlich lauten Kaugummi griff, holte ich das einzige raus, was dich zumindest akustisch einen Pekinger Taxifahrer überstehen lässt. Die Kopfhörer.

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