Mit der Fähre nach Helsinki

Wenn einem das beschauliche Tallinn zu langweilig wird, was im Bereich des Möglichen liegt, bleibt einem ja immer noch die zweistündige Schifffahrt in Finnlands Metropole. Und auch wenn ich nur einen Tag Zeit dafür hatte, so wollte ich Helsinki schon sehen. Und ja, es ist auch gut für die Weltreisestatistik. Denn auch wenn Finnland klein ist, darf ich es doch als ganzes Land zählen. Tja, Helsinki. Also wenn einer den ganzen Schnee weggeschaufelt hat, ist es ganz nett. Und dieser Frühling hat diesbezüglich ganze Arbeit geleistet. Die Sonne knallt und der gemeine Finne strömt nun verständlicherweise in jubelnden, sonnenheischenden und flachsblonden Hundertschaften  die Stadt, die auch Hamburg sein könnte. Wohin, scheint ihnen egal, solange es an der Sonne und in der Wärme ist. Sonne kannten sie auch aus dem Winter, von Wärme hatten sie wohl mal gelesen. Und nun hockt er in den vielen Straßenkaffees und auf jedem Fleckchen Grün, das er finden kann. Das Nokia-Völkchen fällt dabei dadurch auf, dass jeder zweite ein Handy am Ohr kleben hat und alles sehr Multikuli ist. Alles war sehr nett und ich erlebte eine Stadt zum Wohlfühlen. Dass man in der ganzen Stadt kein Klo benutzen kann, ohne dafür einen Euro abzurücken, lässt einen über seine Fähigkeiten der aktiven Blasenkontrolle nachsinnen. Aber zumindest durfte ich mal wieder Euros benutzen, solange sie noch etwas wert sind. Der Finne jedenfalls lungert überall rum und versucht, seine kränkliche Blässe loszuwerden. Vergeblich. Mir persönlich bleibt Finnland also zu blond und zu blass. Bräuchte ich noch einen Grund, in meine Erwägungen um das Auswandern Costa Rica, Argentinien oder Japan gegen Finnland einzutauschen, wären es die Frauen, die vor einer weißen Wand keinen Schatten werfen. Ich frage mich, wie viele dieser wandelnden Geister im Winter von Schneefräsen erfasst werden. Nun ja, wenn der Sommer in Finnland so wird wie der Frühling es schon ist, gibt es diesmal dank aus dem Schnee ragender Bräune ein paar Opfer weniger.

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