Moskau vs. St. Petersburg

„Moskau bestaunt man, St. Petersburg nimmt einen gefangen.“, das habe ich einem Freund geantwortet, als er mich gestern nach dem Unterschied der beiden russischen „Immermalwiederhauptstädte“ gefragt hat. Ja, man darf sich wohl mal selbst zitieren. Moskau hat mich wirklich beeindruckt. Diese Stadt ist gigantisch. Ich habe in zwei verschiedenen Hotels gewohnt, die sich laut Eigenwerbung beide zum Stadtgebiet zählen. Von einem Hotel habe ich 25 Minuten und vom anderen 22 Minuten mit der wahrlich rasenden Metro zum Roten Platz gebraucht. Und die immer schönen Metrobahnhöfe waren auch in beiden Fällen „um die Ecke“ der Hotels. Zu der einen Station musste ich 15 und zur anderen 20 Minuten laufen. Nun ja, das zum Selbstverständnis der größten Stadt Europas. Dass ich auch noch das Glück mit dem traumhaften Wetter hatte und so beide Städte im wilden Frühlingtaumel bei bis zu 27 Grad kennen lernen durfte, obwohl ich beide  aus den Medien hauptsächlich unter einer dicken Schneedecke liegend  kenne, hat sein Übriges getan. Und St. Petersburg macht Spaß. Die Kanäle, natürlich die Eremitage und all die anderen Dastaprimeltschaltelnosti fassen einen an. Die Menschen übrigens weniger. Ja, die Russen sind nach meiner Erfahrung nicht gerade die Sympathen Europas. Man ist stur, nicht sehr höflich und vermag sogar dann in der Metro zu drängeln, wenn man mit ihnen ganz allein an der Zugtür steht. An meinem vorletzten Abend hat eine Truppe junger Russen aus den verschiedenen Ecken des Riesenreiches die Ehre der Russen dann doch noch gerettet. Ich saß mit ihnen vor einer Großbildleinwand in der Lobby meines nicht sehr schönen aber gigantisch großen Hotels (ich brauche ungelogen 4,33 Minuten von der Rezeption bis in mein Zimmer) und schaute mit ihnen das Zwischenrundenspiel der Eishockey-WM Russland gegen Deutschland. Wir verloren. Der Russe hat uns mal wieder geschlagen. Und ich saß dabei im Fan-Kessel von Petrograd. Aber sie hatten tatsächlich einen 5-Liter-Kanister Wodka ins Hotel geschmuggelt und tröstet den einzig verblieben Deutschen über eine Niederlage hinweg, die ich zuhause gar nicht mitbekommen hätte. Das hat Spaß gemacht und mir auch wieder Schulrussisch entlockt. Nun ja, vielleicht wird die Verjüngung der Russen irgendwann zur Sympathie führen.

Und wie geht der Kampf nun aus? Wie das Eishockeyspiel, 3 zu 2. In diesem Fall für St. Petersburg.

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