Rekorde braucht der Mensch?

Wenn ich mir derzeit Reisesendungen anschauen, haben die immer mehr ein einziges Ziel, das Extreme. Es scheint, als müsse man von den höchsten Klippen springen, die widerlichsten Sachen essen, die kältesten Orte finden, die wildesten Eingeborenenrituale mitmachen. Ich verstehe das nicht. Es lässt einen das Reisen vergessen. Vergessen, andere Normalitäten zu sehen, den Reiz eines fremden Alltags zu erfahren, den alltäglichen Humor weitab unserer Komfortzone zu genießen.

Ich bin auch auf dem Weg zu einem Rekord. Wenn es nach mir geht – und das wird es letztlich – möchte ich alle 194 Länder besuchen, die von den Vereinten Nationen anerkannt sind. Und auch die paar, deren Staatsform umstritten ist. Ich möchte auch die 321 Ziele sehen, die der US-amerikanische Travelers’ Century Club ausgegeben hat. Ja, das möchte ich. Und ich möchte davon erzählen. In Büchern, in e-books, in Hörbüchern und apps. Aber auch in Beiträgen für das Fernsehen und online-shows. Doch wie bisher, wie in den vergangenen 3 Jahren Weltreise und 1,5 Jahren Pendeln zwischen Asien, Afrika und Europa möchte ich echte Geschichten erleben, mit normalen Menschen vor Ort und anderen Reisenden in Flugzeugen, Bars, Clubs, Bordellen, Casinos, Einkaufszentren und so weiter ins Gespräch kommen. Deren Geschichten hören, ihre Leben ein bisschen kennenlernen und zu verstehen versuchen, welche ihre Träume, Sorgen und Wünsche sind. Natürlich werde ich weiter die höchsten Gebäude der Welt besuchen, Naturwunder bestaunen und so weiter. Aber das sind nur Randgeschichten. Ich habe gelernt, was Reisen so besonders macht. Es sind immer die Menschen, die man trifft und deren Geschichten. Es passiert unterwegs genügend Kurioses und Verrücktes, suchen muss man es nicht. Ich habe noch etwas anderes beobachtet. Egal, wer vereist, er erzählt einem zwei Minuten über die Sehenswürdigkeiten des Reiseortes und dann Stunden vom wahren Leben unterwegs. Das tue ich auch. Ich möchte keine Ortsbeschreibungen all den anderen hinzufügen. Ich erwähne die schönsten Strände, die atemberaubendsten Landschaften und die aufregendsten Städte sehr gern, aber das Erzählenswerte ist das pure Erleben, sind die Menschen. Nun gut, und wenn ich es nebenbei schaffen sollte, so viele Orte zu sehen, wie kein anderer Deutscher vor mir, ist das schön, aber nur Mittel zum Zweck.

Wenn es nach mir geht – und ich kämpfe dafür – sehe ich als nächstes 22 Länder in Nord- und Zentralafrika und noch fünf Länder in Ostafrika. Stimmt, dann werde ich die ersten 100 bis 120 Staaten meiner Tour gesehen haben, aber wichtiger, ich werde mehr Geschichten unserer faszinierenden, kleinen Welt erlebt haben. Die höchsten Klippen, widerlichsten Speisen, kältesten Orte und wilden Rituale kommen dabei ganz natürlich von alleine mit. Und wenn ich darf, werde ich davon erzählen.

PS: Schauen Sie sich doch mal die „Gesichter einer Reise“ an oder die Impressionen meiner Reise. Spätestens dann werden Sie verstehen, was ich meine. Es ist ein Genuss.

23 thoughts on “Rekorde braucht der Mensch?

  1. Das klingt super. Ich hoffe, du wirst dann wieder alle Geschichten hier auch veröffentlichen. Ich lese dich seit Jahren, auch schon vor deiner Reise, aber ehrlich, das motiviert mich. Viel Glück!

  2. Das klingt ja alles sehr richtig und spannend. Aber meinen Sie wirklich Westafrika? mit Ländern wie Mali, Sierra Leone und die Elfenbeinküste? Das klingt nicht nach Ländern, die man sehen muss. Das ist da viel zu gefährlich.

  3. Don’t forget your own rules: “Don’t be stupid!”. Not even in Africa.

  4. Sehr schön. Ich bin ja hier auch ein Stammgast und habe schon oft geschrieben. Ich freue mich, daß die Tour weitergehen soll. Da wird es ja noch Jahrzehnte Geschichten und Kloschüsseln geben. :-)

  5. Ja Martina, meine ich. Und ja, da gibt es ein paar Länder, vor denen ich wirklich ein bisschen Muffensausen habe. Aber ich habe auch Maputo überlebt. Und Johannesburg, Bogota, Caracas…..

  6. Danke für die Treue, Sylvia. Und ja, es wird noch reichlich Geschichten geben und natürlich werde ich die Kloschüsseln weiterhin sammeln.

  7. Hallo Carsten,

    du sprichst mir mit deinem Betrag aus der Seele!! Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn ein “NEWS-FEED” morgens im Büro bei dir aufleuchtet!!
    Afrika ist super, will in knapp zwei Jahren auch wieder 6 Monate dort durch reisen. Wünsche dir alles Gute und vorallem Gesundheit!!

    Sonnige Grüße aus Frankfurt

  8. Na die Ziele werden ja immer härter. Was kommt danach? Nordkorea?

  9. Hallo Jens. Dann wünsche ich viel Spaß und großartige Erlebnisse in Afrika. In Westafrika war ich ja noch nicht unterwegs. Ich bin sehr gespannt, wie es mir im Vergleich zum südlichen Afrika und zu Ostafrika gefallen wird. Spannend wird es sicher.

  10. Hallo Gernold. Na ja klar, die leichten Ziele sind ja schon oft “abgearbeitet”. Das heißt, es wird schwieriger und auch spannender. Klar, irgendwann ist Nordkorea dran. Und Iran-Irak, Afghanistan, Somalia und so weiter.

  11. Du hast ja so recht. Es gibt auf Reisen nichts besseres als sich mit Menschen zu unterhalten. Auch wenn ich noch nie im Bordell dafür war. Redest du da echt mit den Mädchen? Geht das? Whatever. Ich reise deswegen am liebsten alleine, da hängt man nicht nur mit seiner Reisebegleitung zusammen sondern trifft andere und fremde.

  12. Alle Länder? Wirst du jetzt Kriegsberichterstatter? Na ja, Krisen bist du ja gewohnt.

  13. Hallo Olga. Du hast recht, eine solche Reise funktioniert nur alleine. Und ja, ich habe weltweit in Bordellen wundervolle Gespräche geführt. Nicht nur mit Prostituierten, aber natürlich besonders. Ich sage dir, das wäre ein Extrabuch: “Weltweite Hurenträume”. Sehr spannend. Mal davor, mal danach aber meistens stattdessen.

  14. Was meinst du, Pauli? Wer bei diversen Radio- und/oder Fernsehsendern war, kann auch durch den Irak robben und hat auch vor den Taliban keine Angst? Das könnte stimmen.

  15. Na dann los, du Spinner. Da hast du dir ja mal wieder ein ganz schönes Paket aufgeladen. :-)

  16. Mann, Herr Weidling. Ich bewundere ja Ihre Pläne und drücke Ihnen die Daumen, aber glauben Sie, diese sehr kuriosen Ermittlungen könnten Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen?

  17. Kommen Sie, den Rest schaffen Sie auch noch! Und nach Deutschland zu kommen, kann Sie doch bei diesem Gegenwind doch eh nicht reizen.

  18. Karl, vielen Dank. Ich denke nicht. Der ganze Unsinn hält mich gerade fürchterlich auf, aber dann wird es eben ein klein wenig später, bis ich alle Länder dieser Erde gesehen haben werde.

  19. Ich gebe mir Mühe, Michie, alles andere auch noch zu sehen und daraus eben weiter Bücher und Filme zu basteln. Und ich bin gern in Deutschland und habe da auch keine unlösbaren Probleme.

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