Skandale & Nachfragen

Ich muss nun doch einfach mal was fragen. Also, es war Juli 2011, als meine Karriere und mein Leben gnadenlos gestoppt wurden. Von einem übereifrigen Staatsanwalt, der seine Karrierechance witterte. Was übrigens für ihn aufging, denn er ist nun Richter. Dieser Mann hatte die Idee, ich hätte den MDR erpresst um an Aufträge zu kommen. Absurd von der ersten Sekunde an, vehement bestritten vom angeblichen Opfer! Doch er legte los. Hausdurchsuchungen bei Familie, Freunden & Kollegen. Abhören meiner Telefongespräche für drei Monate & Mitlesen meiner Mails für den gleichen Zeitraum. Zeugen, Zeugen, Zeugen. Viele von denen kannte ich nicht mal, manche hatte ich seit 10 Jahren nicht gesprochen. Und KEINER hatte etwas Belastendes zu sagen. Doch die Staatsanwaltschaft stoppte nicht. Monate! Jahre! In der totalen Hybris eines mittleren Beamten fragte er sogar private E-Mails bei Google in Palo Alto an und brachte alleine mit diesem Wahnsinn 5(!) Jahre zu! Und, und, und. Ein gigantischer Aufwand auf Kosten der Steuerzahler. Und das Schlimmste, die Staatsanwaltschaft steckte alle Informationen immer an die Presse durch.

Die Presse sprang auf – und ehrlich, ich kann es ihr grundsätzlich nicht verübeln – und so wurde ich öffentlich beerdigt. Gnadenlos! Der MDR ließ mich sofort fallen, bediente einen gerade abgeschlossenen Vertrag über 42 neue Folgen meiner Erfolgsserie “Wir sind überall” nicht mehr und trickste sich auch juristisch aus der Verantwortung. Und wirklich niemand in Deutschland wollte mehr mit mir arbeiten, “bevor der Fall nicht abgeschlossen ist”. Und das ist das Problem. Nun ist es gut 9,5 Jahre später und alle Vorwürfe sind verjährt, die weitere Strafverfolgung ist ausgeschlossen und es wird zu keinem Prozess mehr kommen. Die Sächsische Justiz schleicht sich durch die Hintertür raus und ich werde offiziell nie gehört werden. Und einfach so durfte die Sächsische Justiz mein Leben zerstören. Doch “durfte” sie das wirklich? Denn nur mal angenommen, an den Vorwürfen wäre etwas dran. Dann hätte man mich vor ca. sieben Jahren nach einem öffentlichen Prozess und fairen Verfahren mit einer Geldstrafe belegen sollen, ich hätte aussagen können, hätte dann wohl akzeptieren müssen, etwas falsch gemacht zu haben und nun sieben Jahre Zeit gehabt, meine Reputation zurückzugewinnen. Doch das wollte man nicht. Und ganz sicher konnte man das eben nicht. Das nennt man übrigens “Rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung”, und darüber wird zu reden sein. Und so wurde ich letztlich viel schwerer bestraft, als ich es in einem ordentlichen Verfahren hätte werden können.

Nun ja, nun ist es also an der Zeit, dass ich ein paar Fragen stelle. Zu der Rechtmäßigkeit einiger Ermittlungsmethoden. Zu den Motiven. Zur Dauer. Zu den Kosten. Zu meinen Verlusten. Zu Wiedergutmachungen und zu öffentlichen Entschuldigungen. Und so habe ich nun der nächst logischen Anlaufstelle einen langen Brief geschrieben und Fragen gestellt. Je nachdem wie man mir antwortet, werde ich das dann hier weiter ausführen. Und um es klar zu sagen, das alles hat mein Vertrauen in den Deutschen Rechtsstaat nicht erschüttert. Ich habe einfach nur einen riesigen Sack voller Fragen. 

Ich hasse es, zu jammern und zu klagen. Ich will mich nicht als Opfer darstellen. Mann, ich lebe seit 30 Jahren vom Humor – ich will weder rumheulen noch anderen Probleme bereiten! Ich will Unterhalter sein und bleiben und sein dürfen! Doch ein paar Fragen müssen mir doch nun gestattet sein, um zu verstehen, was ich bisher nicht verstanden habe. Z.B.: Kann man jemanden VOR jeder Art von Verhandlung so zerstören und dann einfach knapp 10 Jahre den Fall aussitzen und diesen Jemand einfach nicht mehr auf die Beine kommen lassen? Darf man alles über Jahre hinweg an die Presse durchstecken, damit sie einen vernichtet? Und wäre es nicht längst zu einem Prozess gekommen, wenn auch nur irgendetwas dran gewesen wäre? Und was haben die vergangenen 9,5 Jahre wen gekostet? Also mich quasi alles. 

Übrigens wende ich mich gerade mit diesem Thema erstmals an die Öffentlichkeit, weil ich mich immer mit eigenen Leistungen zurückmelden wollte und nicht als “Opfer der Sächsischen Justiz”. Das ging fast 10 Jahre lang nicht. Nun komme ich aber wieder. Schritt für Schritt, mit kreativen Ideen, viel fleißiger Arbeit und nie nachlassendem Glauben an die eigenen kommenden Projekte, die ich ja hier gerade (fast) alle vorstelle. Und von denen einige bislang nichts werden durften, “bevor der Fall nicht abgeschlossen ist”. Was denken Sie, da werde ich doch jetzt mal – nach fast 10 Jahren – fragen dürfen, oder? Mach ich auch.   

Persönliche Dekoration zum 7-jährigen, 2018.

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