Strandregularien Abu Dhabi

Wissen Sie, warum die Vereinigten Arabischen Emirate besonders für Deutsche ein Traumziel sein sollten? Nein, nicht wegen des Sonnenscheins. – Denn der Deutsche beginnt ja auch daheim direkt nach dem Meckern über die Kälte mit dem Meckern über die Hitze. Nein, nicht wegen des köstlichen und exotischen Essens. – Schließlich entdecken wir gerade Laktose-Intoleranz, Glutenfreiheit und Veganismus für uns. Nein, auch nicht wegen des gigantischen Bauwahns. – Schließlich fragt unser deutsches Herz ja ständig danach, was hier wohl aus dem Denkmalschutz wird und ob das auch alles umweltneutral erbaut wurde. Dubai und Abu Dhabi sollten für uns Traumziele sein, weil es hier so viele tolle Regeln gibt…. Oder so toll viele Regeln – wenn Sie so möchten.

Da kam ich doch zum Beispiel am wunderschönen, langen, breiten und extrem gepflegten Strand von Abu Dhabi an. Es waren fast keine Touristen, Strandurlauber und Sonnenanbeter zu sehen. Doch ich mochte den Strand sofort und schoss ein paar wirklich schöne Fotos. Vom beruhigten Wasser davor, vom Strand selbst und von den eindrucksvollen Wolkenkratzern, die direkt hinter dem Strand liegen. Eine Zusammenstellung, die uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz fremd ist. Und da kam schon einer der Wachleute auf einem Quad angefahren, begrüßte mich freundlich, fragte, woher ich käme und erklärte mir, dass hier das Fotografieren streng verboten sei, um die Menschen nicht zu belästigen, so denn Menschen da wären. Eine Aufforderung die mir insofern einleuchtete, als dass hier in einem muslimischen Land die Menschen eben doch nur in knappen Strandklamotten liegen, und das diverse Ideen hervorbringen könnte. Ich nahm es hin und hatte meine Bilder ja auch schon. Dann verwies mich der freundliche Mann aus  – nun ja, wahrscheinlich Nigeria, Togo, dem Kongo oder einem anderen Ordnungsland, das nun die Strände von Abu Dhabi überwacht – auf ein Surfbrett, dass alle paar Meter im Strand steckte. Es lud aber nicht zum hawaiianischen Surfen ein sondern quasi zur Lektüre des deutschen Strafgesetzbuches. Denn hier war fein säuberlich aufgeschrieben, was man alles nicht darf.

Zunächst einmal waren Fischen, Camping, Lagerfeuer, Tiere, Gläser und eben Fotografieren streng verboten. Nun gut. Darüber hinaus wird man auf dem täuschend nach Freiheit aussehenden Surfbrett darauf hingewiesen, dass man sich nicht außerhalb des Strandes mit Badetextilien bewegen darf, textilfreies Baden und Sonnen untersagt ist, die Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate zu achten ist, Kinder bis zu 12 Jahren ständig unter der Kontrolle von Erwachsenen stehen müssen, jeglicher Alkohol und jegliche Musik verboten ist und jede Art von Verschmutzung des Strandes. Doch mehr noch, man darf nicht nach Sonnenuntergang schwimmen und sich vor allem sich nicht unzüchtig verhalten. Wörtlich steht da, dass regelwidriges Benehmen nicht toleriert wird. Und neben dieser Regel sieht man ein Bild, das zwei Menschen beim Händchenhalten zeigt und mit einem dicken roten Strich quer über die Zärtlichkeit ins Reich des Verbotenen abgeschoben wird.  Was soll ich sagen, die Strände – sowohl die öffentlichen als auch die mit 10 Euro Eintritt – waren schön aber mehrheitlich verlassen. Dabei sollten die Regeln doch gerade uns Deutsche, die wir weltweit als einzige nachts um 3 an einer roten Fußgängerampel stehen bleiben, anlocken. Also „Viel Spaß am Strand! Erholung ist befohlen!“

Übrigens, ich weiß: SIE sind ganz anders und können das Ausland genießen. Sie dürfen aber trotzdem kommen.

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