Süchtig

Ich glaube, nach vier Jahren – ich bin am 14.1.2009 zu meinen Reisen aufgebrochen – ist dies überhaupt die erste Geschichte, die ich von deutschen Boden aus schreibe. Weihnachten habe ich natürlich mit Mama und Brüderchen verbracht und ich bin auch hier, um Neues anzuschieben und Altes zu klären. Ich treffe viele Freunde und bin dankbar für ihre Unterstützung. Ich mag Leipzig, ich mag Deutschland, doch das Fernweh bleibt. Es gibt drei nichtbeimpfbare Risiken einer so langen Weltreise

  1. Einsamkeit. Denn so großartig und wunderbar all meine Erlebnisse waren, ich war doch zu 90% alleine.
  2. Die Heimat entgleitet einem. Je weiter und länger man weg ist, desto weniger hat man die Chance, Heimatliches zu überwachen. Verträge werden nicht eingehalten, die Leute spinnen sich etwas zusammen, der Neid wächst und ja, man wird schlicht verzichtbar.
  3. Man ist kaum wieder eingliederbar.  Ständig an einem Ort zu sein, gar beruflich wieder auf die gleichen Sichtbetonwände und Tapeten zu starren, geht einfach nicht.

Doch das war es wert. Das ist es wert. Egal was passiert, ich bin immer noch vorn. Aber ja, ich bin süchtig geworden. Süchtig nach Bewegung, süchtig nach Erfahrungen, süchtig nach Neuem, süchtig nach Geschichten und süchtig nach fremden Menschen. Das heißt, ich muss wieder los. Mein Lebensmittelpunkt wird immer mehr Bangkok werden. Doch so sehr ich Thailand auch liebe, ich weiß nicht, wie lange ich auch dort an einem Ort sein kann. Ich war noch nicht in der Mongolei, habe mir noch nicht die persischen Schätze im Iran angesehen, nicht erlebt, wie die Menschen in Nordkorea leben, nicht gespürt, wie sich der Kongo, der Tschad und der Sudan wirklich und abseits der Berichterstattung anfühlen. Strände sind toll. Waikiki war schön, die Copacabana, Bronte Beach und Koh Phi Phi, doch spannend wird Afghanistan sein. Tahiti hat mich gelangweilt, doch wie fühlt sich Alaska an, wie Sibirien? Wird mich Ghana an Botswana oder an Mozambique erinnern? Eher Guatemala oder Honduras meine Erlebnisse in Nicaragua, Uruguay oder Paraguay toppen?

Ja, ich bin nicht wirklich süchtig nach Urlaubsregionen – obwohl ich die Malediven und die Seychellen auch noch besuchen muss – ich bin süchtig nach Geschichten und Erleben. Ich muss einfach weiter. Jetzt muss ich nur noch herausbekommen, wie, wie lange und mit wem im Rücken. Ich arbeite daran.

Und was das Titelbild betrifft. Ja, nach Frauen bin ich auch süchtig. Weltweit. Nur ist das noch kein Problem.

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