Thaipusam in Kuala Lumpur

Ja, wir sind immer noch in Malaysia. Auch wenn dieser heilige Tag nach Thailand klingt und eigentlich aus Indien kommt. Doch aus diversen Gründen wird dieser Hinduistische Tag mittlerweile in Malaysia und da besonders in Kuala Lumpur intensiver und extremer begangen als in Südindien, wo dieser Tag seinen Ursprung hat. Es liegt wohl besonders an der unglaublichen Kulisse, die es hier mit den Batu-Höhlen am Rande der malaysischen Hauptstadt gibt. Die monumentale Statue des Gottes Murugan, die vor einer riesigen und imposanten Felsgrotte ungefähr 20 Autominuten vom Zentrum KLs steht lockt besonders die Tamilen am Vollmond des tamilischen Monats „Thai“, Ende Januar/ Anfang Februar zu diesem Hindu-Fest. Das Wort „Pusam“ bezieht sich auf einen Stern, der während des Festes seine höchste Position erreicht hat.

Neben dem goldenen Gottesabbild führt eine beängstige und steile Treppe mit 300 Stufen nach oben, deren Ziel besagte Höhle ist. Ihm, der hinduistischen Gottheit Murugan – auch Subramaniam oder Skanda genannt –, einem Sohn von Shiva und Parvati, ist Thaipusam gewidmet, mit dem die indischen Tamilen in Malaysia ihr höchstes und größtes Fest feiern, das jedes Jahr mehr als eine Million Gläubige anzieht. Es erinnert an eine mythologische Begebenheit, nach  der Parvati einst ihrem Sohn den magischen Speer, den „Vel“, übergeben hatte. Dieser machte Murugan fortan unbesiegbar, und so gelang es ihm, den furchterregenden Dämon Tharakasuram zu töten, der Götter und Menschen terrorisierte. Zum Dank dafür feiern und verehren die Gläubigen ihren göttlichen Krieger mit dem Thaipusam-Fest und seine magische Waffe, der Vel ist das alles beherrschende Symbol.

Wenn Sie selbst dann vor den vielen steilen Stufen stehen und sich fragen, ob Sie die Stufen überhaupt bewältigen können, sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass die gläubigen Hindus dies barfuß tun, oft mit silbernen Gefäßen voller Milch, Blumen und anderen Opfergaben auf dem Kopf.  Andere haben sich die Wangen und Zungen mit langen Spießen  oder regelrechten Speeren – als Symbol des Vel – durchstochen. Sie tragen riesige bunte und geschmückte Aufbauten, haben Dutzende Zitronen, Orangen, Kugeln mit Haken durch die Rückenhaut gestochen oder haben große Haken durch die Haut gestochen, an denen Seile befestigt sind, mit denen sie andere ziehen.

Und alle wuchten sich die vielen Stufen nach oben, und viele von denen sind nicht mehr jung. Das könnten Sie auch, und sollten Dir auch. Es ist ein unvergessliches Erlebnis.  Dazu pumpt indische Musik über gigantische Lautsprecher in die Massen und steigert die Euphorie weiter. Viele Gläubige treiben wie in Trance auf die Treppe zu und die Treppe bis ins Allerheiligste hinein. Die Gesichter sind oft verzerrt und entrückt. Oft werden die Gläubigen gestützt und unterstützt von Freunden und Familie. Manche kommen mit einer großen Gemeinschaft, Mikrophonen oder Megaphonen, peitschenden Musiken und beängstigenden Energien. Trotz großer schwere Aufbauten auf den Schultern, trotz schmerzhafter Metall in der Haut, trotz Körperschmuck und Glockenbändern um die Schienbeine tanzen sie im Kreis, bis die eine Pause brauchen. Dann stellen Ihnen die Begleiter kleine Plastikhocker hin und reichen Wasser. Je größer Aufbau und Truppe, so mehr müssen dann alle anderen in der Prozession warten. Aber auch diese nutzen die kleine Rast zur kleinen Erholung. Viele haben eigene Gangarten ne Schrittfolgen. Manche Rollen sich der Weg zur Treppe, einige müssen gestützt werden, viele haben eine frisch rasierte und Gold bestrichene Glatze, viele farbenfrohe Gewänder. Die meisten sin aber in komplett gelbe Gewänder gehüllt und gehen alleine den langen Weg und die steile Treppe empor. Es dauert viele Stunden, bis alle ihr Ziel erreicht haben. Kommen sie dann nach ihrem Weg die Treppe wieder hinunter, sehen sie glücklich, geschafft und selig aus.

Am Fuße des Berges sind viele Stände mit Essen und Getränke aufgebaut. Aber man kann auch Textilien und einen neuen prachtvoll geschnitten Schrein für daheim kaufen. Vor dem Festgelände, praktisch unter der Hochstraße stehen viele Bühnen, auf denen sicherlich Prominente aus allen Bereichen auftreten und es wird die ganze Nacht gefeiert. Wenn man als Europäer zu dieser Zeremonie kommt, ist man ein Exot. Ich habe unter den tausenden Indern und Malaien vielleicht hundert Weiße gesehen. Doch alle waren sehr freundlich und offen und wirkten irgendwie angetan davon, dass auch wir hier waren. Da ich hier zum ersten Mal war, fragte ich einen Polizisten, was ich hier dürfen würde und was nicht. Letztlich gab es keine Beschränkungen. Ich durfte alles fotografieren und auch immer die Schuhe anbehalten. Und bis auf quasi bestimmte Fußwegspuren, die besonderen Gläubigen vorbehalten sind, dürfte ich auch überall hin. Und Sie natürlich auch.

Sollten Sie zu einem anderen Zeitpunkt als Anfang Februar hier sein, schauen Sie sich den Ort dennoch an. Er ist beeindruckend und inspirierend. Auch wenn das wirklich magische, unwirkliche und mitreißende nur hier ist, wenn tausende Hindus ihr Fest feiern und einen mit in ihre Trance ziehen.

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