Tiefer rein!

Bangkok für Ausländer heißt meistens ohnehin ein schönes Hotel. Für die so genannten Expats, jene Farangs/Ausländer die länger hier leben, heißt es entweder voll eingerichtetes Kondominium, ein nettes Apartment oder gar ein Haus. Man möge mir verzeihen, dass ich nach mehr als 1.600 Nächten in fremden Betten auch zu einem recht schönen Condo griff, als ich entschloss nun länger in Bangkok zu bleiben. Hier zu leben. Die Wohnung war relativ groß, es gab einen Pool, einen Fitnessraum, eine sehr gute Stadtlage und alles war recht schön und bequem. Nur Thailänder habe ich da keine mehr gesehen. Von denen man abgesehen, die weiblich, meist jung und die Partnerinnen der Ausländer waren. So wie meine Freundin es war. Nach 3 Monaten in diesem bequemen Wohnblock bin ich ausgezogen. „Tiefer rein“ heißt die Devise. Kaum hatte  sich die monetäre Vernunft einmal durchgesetzt, nur noch ein gutes Drittel der Miete zu bezahlen, freundete ich mich schnell mit dem Gedanken an, weit mehr Thailänder als Ausländer zu Nachbarn zu haben. Das ist einen Monat her.

Meine kleine Straße etwas weiter ab vom Schuss hat etwas total Beruhigendes. Ich schaue in kleine Läden rein, in denen unter einer Funzel irgendwas geschneidert wird. Winzige Restaurants vor denen nachts die Männer sitzen und eigentlich untrinkbaren Thai-Whisky trinken. Kleine Geschäfte jeder Art, die abends der ganzen Familie als Wohnzimmer dienen und in denen man sich gespannt oder gemeinsam lachend die unvermeidlichen und so wahnsinnig beliebten Thai-movies anschaut. Jene filmischen Werke, gegen die GZSZ gut gemachtes Kino ist. Hier flechtet eine alte Frau Blumenkränze für die Tempel, da reparieren zwei junge Thais Mopeds, dort hocken Taxifahrer neben ihren Autos und reden. Und überall wird gegessen, gekocht, getrunken und gesprochen. Und wieder gegessen.

Ich werde freundlich gegrüßt und grüße und lächle zurück. Ich esse an einer Straßenküche eine Kleinigkeit, kaufe mir bei der thailändischen Entsprechung von Tante Emma ein paar Flaschen Wasser und rede mit den Thais, die hier, nur 4 BTS (Metro)-Stationen von meiner alten „weißen“ Wohnung schon viel schlechter Englisch sprechen. Es wird wirklich Zeit mehr Thai zu lernen. Es wird wirklich Zeit, noch tiefer rein zu gehen. So war das zwar hier alles nicht gedacht, aber ich fühle mich sauwohl.

10 thoughts on “Tiefer rein!

  1. Schöne Geschichte. Bist du jetzt angekommen, oder wird weiter gereist?

  2. Ich war auch lange in Thailand und ich kenne diese kleinen Straßen. Daß ist dann schon sehr thailändisch dort. Wie sieht es mit Getier im Zimmer aus? Grüße aus dem sauberen Singapur.

  3. Hallo Frauke. Ich kenne auch Singapur ganz gut und so sauber wie in “the fine city” ist es hier freilich nicht. Aber alles ist gut und sauber. Und nein, Krabbeltiere habe ich keine. Aber ein Gekko rennt immer mal die Wände lang. Ich habe ihn Carola genannt. Und er/sie ist nützlich und hält mir die Mücken vom Leib.

  4. Wieso heißt der Gekko nur Carola? Klingt nach deiner Intendantin. Ein Schelm, wer …..

  5. Irgendwie romanisch. Und so gar nicht das Bangkok, das man so kennt.

  6. Und bist du nun richtig weg und kommst du gar nicht mehr nach Deutschland?

  7. Erst einmal bin ich richtig weg. Ich hatte meine letzte feste Deutschlandwohnung auch Ende 2008. Aber wie das Leben weiter spielt, weiß kein Mensch.

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