Visa-Run als Sport

Ich verachte Jogger. Marathonläufer sind mir suspekt. Frauen, die mehr Turn- und Laufschuhe haben als Hochhackige kommen mir nicht mehr ins Haus. Das Leben in Bangkok hat einen diesbezüglichen Vorteil. Die meisten Menschen sind weise genug, bei 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit nahe der Schwammgrenze nicht schneller als unbedingt nötig zu laufen. Nun ist der Thai ohnehin kein Hektiker und die Bewegung an sich sollte schon sawai oder sanuk mit sich bringen. Also Vergnügen, ein Wohlgefühl oder Spaß. Hin und wieder sieht man jemanden dann doch rennen, oder bei genauer Betrachtung, in seinem eigenen Schweißfluss durch Bangkok schwimmen. Man kann fast sicher sein, dass es ein Farang, also ein Ausländer ist.

All dies hindert mich nachhaltig am Rennen. Doch der Run zum Visum ist eine Sportart, die man hier zu pflegen hat, ist man noch nicht in den Genuss einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung gekommen. Wer ohne Visum nach Thailand einfliegt, darf  30 Tage bleiben. Hat man es länger vor, ist eben eine Möglichkeit, das Land kurz zu verlassen und wiederzukommen. So stehen erneut 30 Tage auf der Habenseite und die Uhr – oder der Kalender – tickt erneut gnadenlos runter und man sieht den nächsten Run auf sich zukommen. Kommt man mit dem Bus oder zu Fuß, gibt es nur ein Visum für 15 Tage und der Visa-Run wird zum ständigen Begleiter.

Die Grenze zu Kambodscha. – Schon wieder!

Ich werde bei meinem nächsten Deutschlandaufenthalt nun endlich ein längeres Visum beantragen, da ich alle Papiere beisammen habe. Doch bislang war auch ich ein Visa-Runner. Mit der Zeit wird man wohl so manches, was man nie werden wollte. Es macht mir ja nichts aus, mal für einen Tagesausflug oder ein nettes Wochenende in ein paar angrenzende Gebiete zu fliegen. Nach Singapur, Kambodscha und ein paar andere Länder kommt man mit einem 150€-Flug. Das macht auch Spaß. Ein paar Mal, dann nervt es, wird zu teuer und müffelt schon nach Halbmarathon. Ohne Flugzeug geht es zum Beispiel gute vier Stunden mit dem Minibus nach Kambodscha, hin und her über die Grenze und vier Stunden zurück. Nur das dann eben zwei Mal im Monat. Die Nervgrenze ist schneller erreicht und es stinkt nach Marathon.

Vorletztes Mal haben sie mir noch einen Extraspaß gegönnt. Denn als die kambodschanischen Kollegen feststellen, dass ich über zwei gültige Pässe verfüge, ließen sie mich einfach nicht rein, ins gelobte Khmer-Land. Dummerweise hatte ich den Thailand-Ausreisestempel in einem Pass und das 20-Dollar-Visum für Kambodscha im anderen. Auf einem Flughafen interessiert das keinen, hier wurde es zum Fußgängerdrama. Es mündete darin, dass ich mehr Stempel bekam als nötig und für jeden Pass ein Visum kaufen musste. Nur gut, dass ich mit dem Bus Geld sparen wollte.

Na dann macht mir halt die Pässe voll.

Das einzig Gute daran war, ich konnte die beiden Länder schön gegeneinander aufhetzen. „Also Ihre Kollegen in Kambodscha verstehen das einfach nicht!“ „Stellen Sie sich vor, die Thais wollen mich nicht wieder reinlassen!“ Und schon konnten beide Seiten ihre asiatische Gelassenheit vergessen und über die anderen herziehen. Als ob sie nicht schon genügend Grenzkonflikte gehabt hätten. Beim nächsten Mal bringe ich sie dazu, sich auf den Mund zu boxen!

Sanuk maak maak!

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