Warten vor, in und nach Shanghai

Shanghai muss sich schon für etwas ganz besonders halten, wenn es einen ständig so warten lässt. Los ging die Odyssee (Euphemismus, denn Odysseus musste nie auf Flughäfen rumgammeln) auf dem Flughafen von Phnom Penh. China Air hielt es für eine gute Idee, mich auf die ewige Warterei in Shanghai schon hier mit einer 5-stündigen Verspätung  zu versorgen. Kurz darauf schloss alles auf dem Flughafen, was noch eine Anhänglichkeit hätte bringen können, wie ein Shop oder ein Restaurant. Ich versuchte auf dem Boden in der Ecke zu pennen. Ging kaum. Nun ja, irgendwann war ich in Shanghai und schickte mich an, die EXPO 2010 zu besuchen. Und das heißt warten. Nun ist warten das eine, warten mit Chinesen was anderes. Was ist sinnloser als ein Arschloch am Ellbogen? Drängeln im Fußgängerstau. Man stelle sich vor, man steht mit 2000 Menschen für 3 Stunden in einer Schlange vor dem Pavillon von Japan. Was macht da eben keinen Sinn? – Richtig! Das hält aber den drängelwütigen Chinesen nicht ab, es zu tun. Da nicht auszurasten ist ein Kunststück, welches mir größtmöglich gelang. Er drängelt an dir vorbei und gewinnt in 3 Stunden 3 Meter. Ja, so kommt der Chinese voran. Sind sie dann endlich hinter der Schranke im Pavillon, wird als erstes gerannt. Als würden sie nur schnell wieder raus wollen, um vor einem anderen Pavillon zu drängeln. Der Chinese hat positive und negative Alleinstellungsmerkmale.  Das Drängeln ist zwar nicht das ekligste aber das dümmste von allen. Da ist er also auf der EXPO 2010 richtig. Und wir Deutschen können dort stolz sein. Denn steht man also vor dem japanischen Pavillon 3 Stunden, so wartet man vor der USA und Russland 2 Stunden, vor der Schweiz und Österreich 30 Minuten und durch Afrika kann man einfach so latschen. Unser Pavillon hat eine stolze Wartezeit von 4 Stunden. Wahnsinn. Ich habe mich nicht angestellt und die Heimat nicht gesehen. Am selben Abend noch habe ich erfahren, dass man mit dem deutschen Pass einfach so rein kann. Wusste ich nicht und hatte ich auch nicht mit. Nun gut, auch sonst wartet man in Shanghai gern. Vor den drei höchsten Gebäuden der Stadt und auch sonst. Doch der Weiterflug nach Peking hatte es wirklich in sich. Warum auch immer, ich hatte in Yi Chang zwischenzulanden. Und nun kommt’s. Wir hatten erst 7 Stunden zu warten, bevor der Flug abgesagt und wir in Hotels verfrachtet wurden, und am nächsten Tag noch mal 4 Stunden. Und warum das alles? Wegen schlechten Wetters und (!) wegen einer UFO-Sichtung über China! Kollege Odysseus hatte sich nur mit der Nymphe Kalypso, Poseidon und zum Beispiel Fräulein Nausikaa rumzuschlagen. Mich aber wollten China Air, EXPO und UFOs bremsen. Pah, Odysseus!

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