Wartezeiten, Vulkane und Bestechung

Meine Weltreisestatistik sagt aus, dass ich bis heute 5 Tage, 4 Stunden und 47 Minuten auf Verkehrsmittel jeder Art gewartet habe. Der Kuriositätenhöhepunkt der Wartelisten war bis vor ein paar Tagen der Flughafen von Johannesburg. Wo ich im Flugzeug von Sao Paulo kommend 45 Minuten auf diese blöde Gangway warten musste und so meinen Anschlussflug nach Kapstadt verpasste. Und Spitzenreiter bei den Wartezeiten selbst war bisher New York. Wo ich dank Unwetters über der Ostküste der USA 14 Stunden zu warten hatte und zwischen den Flughäfen J.F.K. und La Guardia hin und her pendelte. Das alles änderte sich, als ein Vulkan in Island ausbrach, der so lange ruhig war, dass man in den vergangenen 200 Jahren nicht mal darüber nachdachte, ihm einen auszusprechenden Namen zu geben. Motto: Asche für Europa! Am Eruptionstag (schönes Wort) war ich in Havanna und hatte noch ein paar Tage Zeit bis zu meinem Rückfluck nach Leipzig. Sorgen plagten mich nicht und die Deutsche Welle war zuversichtlich. Dann kam mein Rückflugtag am 20.4. und es hieß, ja, die Maschine nach Paris fliegt heute Abend pünktlich 21 Uhr ab. Dann könnte ich also dort meinen Anschlussflug nach Leipzig nehmen. Logisch. Einfach. Falsch! Denn auf dem Flughafen war die Hölle los. Ossilike stellte ich mich an die längste Schlange an. Dann sickerte das kleine, fiese Gerücht durch. Es darf keiner mit an Bord, der einen Weiterflug von Paris hat. Was? Also die Maschine flog mit 2 Stunden Verspätung, aber nicht mit Anschlußflüglern. Meine Beteuerungen, dass ich von Paris ja einen Zug nehmen könne, versickerten wirkungslos im Gehörgang des Air France Kollegen, weil schon zu oft gehört. Der Zugvorschlag wiederhallte mehrsprachig noch Stunden durch die Flughafenhallen. Doch für alle hieß es einsprachig „No!“ Dass dadurch Air France nur Franzosen mitnahm, muss kein Zufall sein. Am nächsten Tag stand ich in Havanna vor dem kleinen Air France Büro Ecke Calle Rampa y Malecon. Mit mir hauptsächlich Deutsche. Davon massenweise Ostalagietouristen aus  Dresden und Leipzig. Ja, es hatte was von Montagsdemo und die verfallene Kulisse stimmte auch.  Nun gut, nach 4 Stunden durften wir ins Büro und waren nach 2 weiteren Stunden dran. Drinnen haben sich einige Gestrandete fürchterlich über alles aufgeregt. Dumme Menschen! Als würde sich dadurch was ändern, außer, dass wir anderen noch länger zu warten hatten. Meine Mitleidenden bekamen nun, am 21.4., Flüge für den 30.4. und 2.5. ausgehändigt. Aaaahhhh. Ich hatte Glück. Ich machte der hübschen Kubanerin hinterm Schalter, die bislang allen nur als Blitzableiter für Probleme einiger Europäer, die durch französische Fluglinien und isländische Vulkane ausgelöst wurden, diente, ein paar Komplimente für ihren gute Job und durfte am 26.4. über Madrid nach Berlin fliegen. Was soll ich sagen, ich hatte ja Zeit und habe nun noch mal vier Tage Havanna genossen. Zwei Tipps noch: Wenn Sie wie ich in Havanna ohne Geld dastehen, weil man Ihre Kreditkarte gestohlen hat, Ihre EC-Karte in Kuba nicht funktioniert und Ihr Bargeld nicht für diese Art Aufenthalt ausgelegt war, bitten Sie die Deutsche Botschaft und einen Freund in Deutschland um Hilfe. Er hat Geld überwiesen und die Botschaft hat es nächsten Tag ausgezahlt. Danke Arne in Hamburg und Herr Maier in Havanna! Und wenn Sie dann beim Einchecken darauf hinweisen, dass die Maschine bestimmt überbucht ist, manche also ein Upgrade bekommen werden und der Mann am Schalter dafür ein Trinkgeld bekommen würde, können Sie vielleicht wie ich für 30 Euro Trinkgeld in der Businessclass nach Hause fliegen. Hihi.

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