Strandregularien Abu Dhabi

Wissen Sie, warum die Vereinigten Arabischen Emirate besonders für Deutsche ein Traumziel sein sollten? Nein, nicht wegen des Sonnenscheins. – Denn der Deutsche beginnt ja auch daheim direkt nach dem Meckern über die Kälte mit dem Meckern über die Hitze. Nein, nicht wegen des köstlichen und exotischen Essens. – Schließlich entdecken wir gerade Laktose-Intoleranz, Glutenfreiheit und Veganismus für uns. Nein, auch nicht wegen des gigantischen Bauwahns. – Schließlich fragt unser deutsches Herz ja ständig danach, was hier wohl aus dem Denkmalschutz wird und ob das auch alles umweltneutral erbaut wurde. Dubai und Abu Dhabi sollten für uns Traumziele sein, weil es hier so viele tolle Regeln gibt…. Oder so toll viele Regeln – wenn Sie so möchten.

Da kam ich doch zum Beispiel am wunderschönen, langen, breiten und extrem gepflegten Strand von Abu Dhabi an. Es waren fast keine Touristen, Strandurlauber und Sonnenanbeter zu sehen. Doch ich mochte den Strand sofort und schoss ein paar wirklich schöne Fotos. Vom beruhigten Wasser davor, vom Strand selbst und von den eindrucksvollen Wolkenkratzern, die direkt hinter dem Strand liegen. Eine Zusammenstellung, die uns in Deutschland, Österreich und der Schweiz fremd ist. Und da kam schon einer der Wachleute auf einem Quad angefahren, begrüßte mich freundlich, fragte, woher ich käme und erklärte mir, dass hier das Fotografieren streng verboten sei, um die Menschen nicht zu belästigen, so denn Menschen da wären. Eine Aufforderung die mir insofern einleuchtete, als dass hier in einem muslimischen Land die Menschen eben doch nur in knappen Strandklamotten liegen, und das diverse Ideen hervorbringen könnte. Ich nahm es hin und hatte meine Bilder ja auch schon. Dann verwies mich der freundliche Mann aus  – nun ja, wahrscheinlich Nigeria, Togo, dem Kongo oder einem anderen Ordnungsland, das nun die Strände von Abu Dhabi überwacht – auf ein Surfbrett, dass alle paar Meter im Strand steckte. Es lud aber nicht zum hawaiianischen Surfen ein sondern quasi zur Lektüre des deutschen Strafgesetzbuches. Denn hier war fein säuberlich aufgeschrieben, was man alles nicht darf.

Zunächst einmal waren Fischen, Camping, Lagerfeuer, Tiere, Gläser und eben Fotografieren streng verboten. Nun gut. Darüber hinaus wird man auf dem täuschend nach Freiheit aussehenden Surfbrett darauf hingewiesen, dass man sich nicht außerhalb des Strandes mit Badetextilien bewegen darf, textilfreies Baden und Sonnen untersagt ist, die Kultur der Vereinigten Arabischen Emirate zu achten ist, Kinder bis zu 12 Jahren ständig unter der Kontrolle von Erwachsenen stehen müssen, jeglicher Alkohol und jegliche Musik verboten ist und jede Art von Verschmutzung des Strandes. Doch mehr noch, man darf nicht nach Sonnenuntergang schwimmen und sich vor allem sich nicht unzüchtig verhalten. Wörtlich steht da, dass regelwidriges Benehmen nicht toleriert wird. Und neben dieser Regel sieht man ein Bild, das zwei Menschen beim Händchenhalten zeigt und mit einem dicken roten Strich quer über die Zärtlichkeit ins Reich des Verbotenen abgeschoben wird.  Was soll ich sagen, die Strände – sowohl die öffentlichen als auch die mit 10 Euro Eintritt – waren schön aber mehrheitlich verlassen. Dabei sollten die Regeln doch gerade uns Deutsche, die wir weltweit als einzige nachts um 3 an einer roten Fußgängerampel stehen bleiben, anlocken. Also „Viel Spaß am Strand! Erholung ist befohlen!“

Übrigens, ich weiß: SIE sind ganz anders und können das Ausland genießen. Sie dürfen aber trotzdem kommen.

Kopi Luwak, Bands & Co in Jakarta

Als ich auf dem Flughafen in Jakarta auf meinen Flieger wartete um nun das Land zu verlassen, traf ich einen Türken, der seit Jahren in Jakarta lebt. Er fragte mich, wo ich denn in Jakarta gewohnt hätte, und ich antwortete ihm schnell und aus voller Überzeugung: „Im Taxi“. Sein lautes Lachen verriet mir, dass ich da wohl nicht alleine war.

Sich in Jakarta, der größten Stadt Südostasiens, aufzuhalten, heißt einfach, Taxi zu fahren. Jakarta ist eine Stadt, in der die Aussage an der Hotelrezeption „Das ist gleich hier um die Ecke“, mit den Worten ergänzt wird: „Eine halbe Stunde mit dem Taxi. Wenn kein Verkehr ist.“ Ich habe versucht, Jakarta zu verstehen und ich muss zugeben, es ist mir nicht gelungen. Die ganze Stadt scheint so etwas wie ein Stadtzentrum nicht zu haben, vermeintlich angesagte Straßen entpuppen sich als dunkle Gassen mit ein paar Gaststätten, die auch immer keine direkten Nachbarn sind. Ganz Jakarta scheint so, als würden sie hier die Ausdehnung des Alls üben. Als hätte es mal so etwas wie eine überschaubare und verständliche Stadt gegeben, die aber nach einem Urknall stetig in der Ausdehnung begriffen ist und so auseinandergezerrt und wirr wirkt.

Aber ich konnte einige kuriose Erlebnisse durchaus finden, die es zu erzählen lohnt.

Schon am ersten Abend und erst in meinem dritten Taxi sah ich etwas, was ich zunächst wieder nicht verstand. Das Taxi hatte einen so genannten U-Turn zu vollführen, also an einer Art Kreuzung auf die gegenüberliegende Fahrbahn zu wechseln, um in die andere Richtung zu fahren. Das allerdings wollten einige, was wiederum der entgegenkommende Verkehr irgendwie egoistisch zu verhindern suchte und dann auch noch mit den Rechtsabbiegern der links von uns liegenden Straße eine Art Stau-Allianz bildete. Doch da sprang ein junger Mann auf diesem Verkehrsknotenpunkt rum und wirbelte mit den Händen und die Autofahrer gehorchten ihm. Und nicht nur das, eine überwiegende Zahl von nun bevorteilten Autofahrern öffnete neben dem jungen Mann das Seitenfester und gab im Geld. Ich war schwerst verwirrt. Wer war das? Später wurde ich aufgeklärt.

Diese Menschen nennt man hier „Polisi Cepe“ (ausgesprochen Dschepä). Und dieses „Cepe“ bedeutet „100“ und das auch noch nicht im Indonesischen sondern im chinesischen Wortschatz, weil man in Asien bei Geld sowieso immer nur an die Chinesen denkt, die als jene gelten, die am meisten verdienen würden und am geschicktesten im Umgang mit dem Geld sind. Den Ursprung hat das alles in einer Zeit, als man mit 100 indonesischen  Rupiah noch etwas angefangen könnte. Heute wären das 0,07 Cent. Heute lassen sich die Jungs mit ein paar Münzen oder ein paar Tausendern an Scheinen von jenen bezahlen, die kaum um die Ecke kommen und es dank ihnen dennoch schaffen. Dass diese „freiwilligen Helfer der Polizei“ das mit dem Segen der Polizei – der Polisi – tun und auch ein bisschen was von ihrem Geld an die Polizisten abdrücken, versteht sich fast von selbst….

Und es gibt zum Beispiel ein wirklich gutes und teures Restaurant hier. Das „Café Batavia“. Hier konnte ich auch nicht mehr länger widerstehen und habe den angeblich besten Kaffee der Welt probiert. Den „Kopi Luwak“. Eben jenen Kaffee, dessen Bohnen erst einmal der Fleckenmusang – eine Schleichkatzenart – fressen, dann die Bohnen wieder ausscheiden und so dem Kaffee die ganz besondere Note geben…. Nun ja, er war mit 8 Euro die Tasse für hiesige Verhältnisse sehr teuer, schmeckte gut und angenehm und von Schleichkatzenkacke war nichts zu spüren. Allerdings würde ich um diesen Kaffee zu trinken nicht nochmals nach Jakarta reisen.

Und dann ging es auch schon bald in die Nacht. Am Vorabend hatte ich im Hotel ein bisschen mit der Band gefeiert und die charmante Sängerin schrieb mir auf, wohin ich nachts zu gehen hatte. Dieser Hotelzettel wurde am nächsten Tag noch von meiner ebenfalls sehr charmanten Kellnerin im „Café Batavia“ ergänzt. Es sollte in den „X2 Club“ gehen, der in „Senayan City“ liegt und in allen Top-Listen des Nachtlebens ganz oben mit erscheint. Die Fahrt dauerte dann insgesamt gleich mal eine Stunde, inklusive diverser Gespräche am Straßenrand, wo dieser Laden denn sein konnte.

Endlich fanden wir ihn und er war wirklich prächtig. Er liegt in einem modernen Einkaufszentrum, von denen es einige in Jakarta gibt und die einem zeigen, dass da durchaus Geld in der Stadt rumschwirrt. Ab 24 Uhr füllte sich der Schuppen mit den reichen Kids der Stadt. Der Laden ist modern und teuer und zieht so eben ein gewisses Publikum an. Ich konnte damit wenig anfangen, weil alles zu aufgesetzt und zu schickymicky war. Ich sehnte mich mehr nach puren Leben und richtigem Feiern. Aber eines musste man den Laden lassen. Sie hatten verflucht kuriose Angebote, über die ich noch Monate später staunte. Whiskey und Wodka wurden gern flaschenweise angeboten und mein Lieblingsangebot waren die „Lucky three“, je drei Falschen Whiskey oder Wodka zu einem Vorzugspreis. Na dann  könnte die Feier ja losgehen. Geschlagen wurde aber alles vom „Geburtstags-Schnäppchen“ – je zwei unterschiedliche Flaschen Whiskey und Wodka und ein kleiner Kuchen, für nur 7 Millionen Rupiah, was immerhin auch beinahe 450 Euro waren.

So bleibt mir zu sagen, dass ich viel Kurioses in Jakarta erlebt habe und außer der „Freiheits-Moschee“, dem „National Monument“, den Platz um das Fatahilah-Museum und dem „National Museum“ nichts wirklich Interessantes gesehen habe. Dass die Menschen toll waren, Sängerinnen und Kellnerinnen charmant sind und mir reichlich Tipps auf einen Zettel schrieben, ich viel Armut, viel Chaos, und dann an manchen Stätten wieder viel Modernes gesehen haben, ich ein gutes Dutzend Taxen von innen besuchen durfte und nun weiß, dass die „Lucky three“ drei Falschen Whiskey für den gemütlichen Tagesausklang sind.

Ist Jakarta eine Reise wert? – Ja sicher! – Wenn Sie das Kuriose mögen!

Mit dem Moped durch Bali

Bevor Sie mit dem Moped über Bali düsen, lassen Sie uns noch mal fix die Größenverhältnisse richtigstellen. Sie können sich in der Zeit, in der ich Sie aufkläre, ja schon mal ein Moped und einen Helm ausleihen. Und seien Sie nicht so egoistisch, leihen Sie auch Ihrem Sozius einen Helm aus. Vielleicht brauchen Sie ihn ja noch. – den Sozius. Also, während Sie sich nun ein Moped für um die 5 Euro am Tag ausliehen und auch noch eine kleine Versicherung für vielleicht einen Euro am Tag unterschreiben, sei Ihnen noch mal gesagt, Bali ist 95 mal 145 Kilometer groß. Ich meine, hier haben vier Millionen Einwohner Platz. Da können Sie sich nicht einfach so aufs Moped schwingen und die ganz Insel erkunden. Dafür bräuchten Sie dann doch einen ganzen Jahresurlaub und vor allem auch ein ausgewogenes Training für Ihre Sitzmuskeln. Denn Ihnen wird schon nach einer längeren Tagestour der Hintern rumoren.

Ich gehe davon aus dass Sie nun das Moped ausgeliehen haben und aktuell schauen, wo der Benzintank ist. ….Weiß ich auch nicht, aber schauen Sie doch mal unterm Sitz nach! … Ich erzähle Ihnen solange noch was. Eine solche Tour in Bali macht wirklich Spaß. Denn die Straßen sind gut ausgebaut, Tankstellen gibt es alle paar Kilometer, und gibt es mal keine, verkaufen Straßenhändler Schnapsflaschen mit Benzin für die weiterfahrt. Gefahren wird bitte links, die Mopeds sind auf der Insel in der Überzahl, die Autos holen aber auf, und jeder hilft Ihnen sofort und freundlich, wenn Sie nach dem Weg fragen. Es wird viel aber nur kurz gehupt, um anzuzeigen, dass man sich nähert und der andere jetzt bitte keinen endgültigen Blödsinn machen soll. Jeder passt auf seinen Vordermann auf und eigentlich hat keiner die Absicht, einen Touristen grundlos über den Haufen zu fahren. Also sind nicht nur Ihrer Erlebnischancen auf einer solchen Tour groß, sondern auch Ihre Überlebenschancen.

Sie haben sich nun sicherlich mittlerweile auch zeigen lassen, wo die Blinker und das Licht angehen. Jetzt rufen Sie den Instrukteur noch mal zurück, er soll Ihnen sagen, wie man hupt. Das brauchen Sie wirklich. Und bevor Sie sich den Helm aufsetzen, noch ein paar kleine Ideen und Tipps zur Reise mit dem Moped. Zunächst, cremen Sie sich Arme und Gesicht mit Sonnencreme ein. Sie werden staunen, wie brutal Sie die Sonne auch erwischt, wenn Sie glauben, ihr mit 50 km/h entkommen zu können und hoffen, der Fahrtwind würde Sie schon kühlen.  Die Erde rast mit mehr als 100.000 km/h durchs All und die Sonne erwischt uns immer, da machen Ihre paar Moped-km/h nun auch keinen Unterschied mehr. Zweitens, nehmen Sie Reisepass und Führerschein mit. Ich bin nie angehalten worden und musste beides nie vorzeigen. Nur wenn es passiert, sollten Sie sich ausweisen können. Können Sie es nicht, werden Sie wohl recht schnell an einer eher zwischenmenschlichen Lösung mit dem Polizisten arbeiten, der sich danach wieder von seiner sehr versöhnlichen Seite zeigt und auf Ihre Kosten am Abend ein paar trinken wird. Und dann verlassen Sie die Städte. Sie werden bald feststellen, dass es viele Einbahnstraßen gibt und Sie nicht immer sofort wissen, wo Sie nun stecken. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn nichts ausgeschildert ist, hat sich auch noch nichts verändert. Also immer weiterfahren, es wird schon wieder ein Schild auftauchen.

Und dann genießen Sie die Tour. Als ich unterwegs war, musste ich das erste Mal auf meinem Moped so laut auflachen, dass es im Helm wiederhalte und dröhnte. Ich hatte gerade festgestellt, wie cool es ist, auf einer Landstraße zu fahren und dabei statt heimischer und schöner Rapsfelder mal Reisfelder auf beiden Seiten zu haben. Wann immer ich es etwas entdecke, was sich zu fotografiere lohnte, hielt ich an. Und ich konnte bei jeder Bremsung auf offener Strecke sämtliche Erziehungsberechtigte meines Lebens im Kopf hören, die fragte „Ja was, wenn das nun alle täten?“… Das war mir egal, ich stoppte, ich ließ andere ein klein wenig ausweichen und fotografierte, wonach immer war. Bauern in den Reisfeldern, Vogelscheuche mit spitzen Hüten, viele Kunsthandwerker, die Buddhafiguren, Holzschreine, Glasbläserarbeiten, Kunst und anderes Spannendes ausstellten.

Ich hielt vor kleinen Hindutempeln, einfachen Hütten, noblen Hotel-Komplexen, an Klippen, Wasserfällen, Sonnenuntergängen, einer Beerdigung, Menschenaufläufen, einer hinduistischen Vollmondzeremonie und einsamen Gegenden. Und immer wieder an tollen Stränden. All das sollten Sie auch tun. Sie werden es lieben und viiiiieeeeel grinsen. Behalten Sie den Himmel im Auge und wenn es zu regnet beginnt, suchen Sie sich einen Unterschlupf. Denn hier kann es extrem heftig regnen. Und haben Sie keine Sorgen wenn Sie erst im Dunklen wieder ankommen, die Straßen sind gut ausgebaut und Sie werden schon nicht in einem Schlagloch verschwinden. Und reagieren Sie nicht verschreckt, wenn wilde Hunde am Straßenrand lauern. Die wissen, wie gefährlich eine Straße ist und werden ihnen schon nicht ins Vorderrad springen.

So, haben Sie jetzt alles für Ihre Ausfahrt? Kamera, Pass, Geld, Sonnencreme, genug Wasser, Sonnenbrille, Mut, Talent, und das Wissen um den Linksverkehr?! Helm auf, und viel Spaß. Das wird großartig!

Märchenreise Katar

Als Kind kannte ich den Orient aus Märchenfilmen wie „Sindbad“ oder „Der kleine Muck“. Trotz dessen dass man mich seitdem bezüglich der arabischen Welt oft genug mit unschönen Nachrichtenbildern gefüttert hatte, behielt ich mir die romantische Vorstellung dieses Teils der Welt. Ich bin immer neugierig geblieben und hoffte auf anderen Reisen auch das Schöne zu finden. Und es gelang. Hier in Katar ist das Finden des Schönen und Märchenhaften momentan leichter als im Iran und im Irak. Und wenn man sich darauf einlässt – was eigentlich immer eine Voraussetzung für eine schöne, erlebnisreiche Reise ist – kann man Katar sehr genießen.

Schon an meinem ersten Abend in Doha stolperte ich mehr oder weniger unvermittelt in eines  meiner überwältigen Erlebnisse in dieser Stadt. Viel hatte ich vom modernen und schnell wachsenden Katar und der Hauptstadt Doha gehört. Die Bilder von den Wolkenkratzern sah ich überall. Doch mein Hotel lag an anderer Stelle. Sehr nah am „Fanar“, dem islamischen Kulturzentrum. Oder besser: Nahe an „Sindbad“ und dem „kleinen Muck“. Ich habe es mir auf meinen Weltreisen zur Tradition gemacht am ersten Abend in einer neuen Stadt ohne Plan einfach loszulaufen und die neue Stadt, das neue Land, die neue Kultur auf mich wirken zu lassen. In Katar ist das auch deswegen kein Problem, weil es als sehr sicheres Reiseland gilt. So lief ich los, ließ vorerst „Fanar“ links liegen und bog in einen Traum aus Tausendundeiner Nacht ein.

Da war alles, was mich als Kind vor dem Fernseher so gefesselt hatte. Die flachen, lehmigen sandfarbenen Gebäude, die wogenden Meere aus bunten Stoffen, das viele Gold in den Auslagen, das zum Teil zu waghalsigen Schmuck verarbeitet wurde. Die Männer, die in weißen Gewändern umherliefen und mich als Kind glauben ließen, dass dies wohl die entspannteste Region der Welt sein müsste. Die Frauen, die ihre oft bezaubernde Garderobe unter schwarzen Überhängen verbargen und teilweise nur ihre Augen sehen ließen, die mich in den Bann schlugen, als wäre ich wieder ein Kind, das zum ersten Mal den tiefen, dunklen, schönen und stolzen Blick einer orientalischen Prinzessin im Märchenfilm sah. Ich fühlte mich augenblicklich, als würden endlich meine Bitten der kindlichen Fernsehnachmittage erhört, ich müsste auch riechen dürfen, wie es an einem solchen Ort zu duften hätte. Und ja, es roch nach allen Gewürzen dieser Welt und es betörte mich regelrecht, quasi in einem Berg aus Gewürzen zu stehen. Die vielen Stände und Geschäfte boten Buntes und Außergewöhnliches an. Viele Arbeiten aus Holz, Kupfer und Bronze. Säbel, Krummdolche, Helme, Masken, Wasserpfeifen. Was hätte ich vor einigen Jahrzehnten darum gegeben, hier sein zu dürfen und zu erleben, dass es das wirklich alles gibt.

Ich schlich durch die engen Gassen des Marktes und kam zu immer neuen märchenhaften Geschäften und Plätzen. An einem Platz hatten sich viele Vogelhändler angesammelt und aus unzähligen kleinen und großen Käfigen erklang ein tausendfacher Chor aus Gezwitscher, der von den buntesten Vögeln dieser Welt kam. Alte Männer mit roten Westen schoben Karren durch die Gassen und warteten darauf, dass die Gäste und Kunden Waren kauften, die sie ihnen nun mit den Karren aus den Labyrinth dieses verwunschenen Orten transportieren dürfen.   Und als ob das nicht schon ohnehin zu viel für ein Kindergemüt wäre, stand ich plötzlich vor Geschäften, die mehr Süßigkeiten anboten als ich über meine ganze Kindheit hätte essen können. Nicht steril im Supermarktregal gelagert sondern zu Pyramiden und Türmen aufgebaut, kunstvoll in knallbuntes Papier verpackt oder nackt und frisch in Tonnen, Gläsern und auf Tischen. Ich gebe es zu, ich rang nach Atem. Und als ich an einem Ende des Souk wieder in die heutige Zivilisation trat, standen da Musiker und spielten auf wunderbar fremden Instrumenten Musiken, wie ich sie zwar noch nicht gehört hatte, aber Sindbad und der kleine Muck bestimmt täglich hörten.

Ich versuchte, nicht au diesem Traum zu erwachen. Ich versuche, nicht sofort wieder der Erwachsene zu werden, der ich schon so lange bin. Ich versuchte zu vergessen, welche Länder ich alle schon besucht hatte und nicht daran zu denken, was ich auch einfach über Katar, Doha und diesen Ort wusste. Dieser Souk heißt „Souq Waqif“ und er wurde erst vor wenigen Jahren komplett wieder neu aufgebaut, nachdem man ihn abreißen musste, weil vielleicht tatsächlich seit Sindbad schon zu viele Jahre vergangen waren. Man hat ihn ganz zauberhaft wieder aufgebaut, die Einheimischen beleben ihn allabendlich und man kann – nein, man sollte – ihn genießen.

Wenn ich Ihnen also einen kleinen Tipp geben darf: Vergessen Sie alles, was Sie wissen, machen Sie sich Ihr Erleben nicht durch Ihr gebildetes Gehirn kaputt. Kommen Sie her und lassen Sie sich von Herz und Seele führen. Ganz so, als wären Sie wieder der kleine Hosenscheißer vor dem Fernseher, der träumt, einmal diese aufregende, ferne, exotische Welt sehen zu dürfen. Denn wäre es nicht schade, wenn Sie es nun endlich dürften und hier wären – und diese Welt dennoch nicht sehen würden?

Thaipusam in Kuala Lumpur

Ja, wir sind immer noch in Malaysia. Auch wenn dieser heilige Tag nach Thailand klingt und eigentlich aus Indien kommt. Doch aus diversen Gründen wird dieser Hinduistische Tag mittlerweile in Malaysia und da besonders in Kuala Lumpur intensiver und extremer begangen als in Südindien, wo dieser Tag seinen Ursprung hat. Es liegt wohl besonders an der unglaublichen Kulisse, die es hier mit den Batu-Höhlen am Rande der malaysischen Hauptstadt gibt. Die monumentale Statue des Gottes Murugan, die vor einer riesigen und imposanten Felsgrotte ungefähr 20 Autominuten vom Zentrum KLs steht lockt besonders die Tamilen am Vollmond des tamilischen Monats „Thai“, Ende Januar/ Anfang Februar zu diesem Hindu-Fest. Das Wort „Pusam“ bezieht sich auf einen Stern, der während des Festes seine höchste Position erreicht hat.

Neben dem goldenen Gottesabbild führt eine beängstige und steile Treppe mit 300 Stufen nach oben, deren Ziel besagte Höhle ist. Ihm, der hinduistischen Gottheit Murugan – auch Subramaniam oder Skanda genannt –, einem Sohn von Shiva und Parvati, ist Thaipusam gewidmet, mit dem die indischen Tamilen in Malaysia ihr höchstes und größtes Fest feiern, das jedes Jahr mehr als eine Million Gläubige anzieht. Es erinnert an eine mythologische Begebenheit, nach  der Parvati einst ihrem Sohn den magischen Speer, den „Vel“, übergeben hatte. Dieser machte Murugan fortan unbesiegbar, und so gelang es ihm, den furchterregenden Dämon Tharakasuram zu töten, der Götter und Menschen terrorisierte. Zum Dank dafür feiern und verehren die Gläubigen ihren göttlichen Krieger mit dem Thaipusam-Fest und seine magische Waffe, der Vel ist das alles beherrschende Symbol.

Wenn Sie selbst dann vor den vielen steilen Stufen stehen und sich fragen, ob Sie die Stufen überhaupt bewältigen können, sollten Sie sich vergegenwärtigen, dass die gläubigen Hindus dies barfuß tun, oft mit silbernen Gefäßen voller Milch, Blumen und anderen Opfergaben auf dem Kopf.  Andere haben sich die Wangen und Zungen mit langen Spießen  oder regelrechten Speeren – als Symbol des Vel – durchstochen. Sie tragen riesige bunte und geschmückte Aufbauten, haben Dutzende Zitronen, Orangen, Kugeln mit Haken durch die Rückenhaut gestochen oder haben große Haken durch die Haut gestochen, an denen Seile befestigt sind, mit denen sie andere ziehen.

Und alle wuchten sich die vielen Stufen nach oben, und viele von denen sind nicht mehr jung. Das könnten Sie auch, und sollten Dir auch. Es ist ein unvergessliches Erlebnis.  Dazu pumpt indische Musik über gigantische Lautsprecher in die Massen und steigert die Euphorie weiter. Viele Gläubige treiben wie in Trance auf die Treppe zu und die Treppe bis ins Allerheiligste hinein. Die Gesichter sind oft verzerrt und entrückt. Oft werden die Gläubigen gestützt und unterstützt von Freunden und Familie. Manche kommen mit einer großen Gemeinschaft, Mikrophonen oder Megaphonen, peitschenden Musiken und beängstigenden Energien. Trotz großer schwere Aufbauten auf den Schultern, trotz schmerzhafter Metall in der Haut, trotz Körperschmuck und Glockenbändern um die Schienbeine tanzen sie im Kreis, bis die eine Pause brauchen. Dann stellen Ihnen die Begleiter kleine Plastikhocker hin und reichen Wasser. Je größer Aufbau und Truppe, so mehr müssen dann alle anderen in der Prozession warten. Aber auch diese nutzen die kleine Rast zur kleinen Erholung. Viele haben eigene Gangarten ne Schrittfolgen. Manche Rollen sich der Weg zur Treppe, einige müssen gestützt werden, viele haben eine frisch rasierte und Gold bestrichene Glatze, viele farbenfrohe Gewänder. Die meisten sin aber in komplett gelbe Gewänder gehüllt und gehen alleine den langen Weg und die steile Treppe empor. Es dauert viele Stunden, bis alle ihr Ziel erreicht haben. Kommen sie dann nach ihrem Weg die Treppe wieder hinunter, sehen sie glücklich, geschafft und selig aus.

Am Fuße des Berges sind viele Stände mit Essen und Getränke aufgebaut. Aber man kann auch Textilien und einen neuen prachtvoll geschnitten Schrein für daheim kaufen. Vor dem Festgelände, praktisch unter der Hochstraße stehen viele Bühnen, auf denen sicherlich Prominente aus allen Bereichen auftreten und es wird die ganze Nacht gefeiert. Wenn man als Europäer zu dieser Zeremonie kommt, ist man ein Exot. Ich habe unter den tausenden Indern und Malaien vielleicht hundert Weiße gesehen. Doch alle waren sehr freundlich und offen und wirkten irgendwie angetan davon, dass auch wir hier waren. Da ich hier zum ersten Mal war, fragte ich einen Polizisten, was ich hier dürfen würde und was nicht. Letztlich gab es keine Beschränkungen. Ich durfte alles fotografieren und auch immer die Schuhe anbehalten. Und bis auf quasi bestimmte Fußwegspuren, die besonderen Gläubigen vorbehalten sind, dürfte ich auch überall hin. Und Sie natürlich auch.

Sollten Sie zu einem anderen Zeitpunkt als Anfang Februar hier sein, schauen Sie sich den Ort dennoch an. Er ist beeindruckend und inspirierend. Auch wenn das wirklich magische, unwirkliche und mitreißende nur hier ist, wenn tausende Hindus ihr Fest feiern und einen mit in ihre Trance ziehen.

Mal eben Brunei?

Beginnen wir mit einem  PS von 2019: Seitdem der Sultan gleichgeschlechtliche Liebe unter Todesstrafe stellt, gibt es einen Grund mehr, Brunei nicht zu besuchen. Zugegeben, es ist eine Maßnahme gegen die Langeweile, sich am besten öffentlich gleichgeschlechtlich zu lieben und dann die sportliche Herausforderung zu suchen, dem Henker zu entfliehen, aber wer will schon so ein rückständiges Land unterstützen.

Ich war 2015 hier und schrieb: Es ist wahrlich nicht so, dass Malaysia nicht groß und spannend und zudem oft auch schön genug ist, dass es noch einen Ausflug nach Brunei braucht. Aber wenn man schon mal „in der Ecke“ ist, kann man ja auch mal fix zum Sultan düsen.  Brunei ist irgendwie schon auch Malaysia. Man spricht die gleiche Sprache und die Menschen sind nicht wirklich voneinander zu unterscheiden. Der größte Unterschied ist aber, dass man ganz Brunei eine Art Valium-Infusion gelegt hat. Es ist so  ziemlich der langweiligste Ort der Welt. Woran nur mache ich das fest und erlaube mir, ein ganzes Land mit immerhin gut 400.000 Einwohnern, der kollektiven Verschlafenheit zu bezichtigen? Na sagen wir mal so, ich hatte mir vorgenommen, für drei Tage zu bleiben, habe mich am Abend des ersten Abends gefragt, was ich nur am zweiten Tag hier tun sollte und war am Abend des zweiten Abends wieder weg.

Sie werden sich fragen, ob man so eine „Reiseempfehlung“ formulieren kann. Nur, wenn Sie den ultimative Asientipp für  persönlichen Müßigganges und Langeweile suchen.

Als ich aus dem gerade erweiterten Flughafen von Brunei in ein Taxi stieg, lernte ich vom Taxifahrer sofort drei Dinge: 1. Es gibt im ganzen Land nur 45 Taxen. 2. Es gibt durchaus Stau in Brunei. An manchen Morgen für maximal 20 Minuten. Und drittens: Die Tatsache, dass es nur 45 taxen gibt, lässt diese noch unverschämter zuschlagen als sonst wo auf der Welt. Und so zahlte ich 25 Brunei-Dollar, ungefähr 16 Euro, für 10 Minuten Fahrt.

Aber es muss doch was zu sehen geben, ….in Brunei???! Sicher, gibt es. Für ziemlich genau einen sehr schönen Nachmittag. Es gibt die wunderschöne  Sultan-Omar-Ali-Saifuddin-Moschee, die teils von muslimischer und teils italienischer Architektur beeinflusst ist und in einer künstlichen Lagune liegt. Und es gibt die wirklich spannenden, „Kampong Ayer“ genannten, Wasserdörfer, mit ihren auf hohen Stelzen über dem Wasser gebauten Langhäusern. Vom Wasser aus hat man auch den besten Blick auf das „Eigenheim“ des Sultans. Das gesamte Gelände ist größer als die gesamte Vatikanstadt. „Istana Nurul Iman“, der Palast selbst, verfügt über 1.888 Räume auf einer Fläche von 200.000 Quadratmeter und steht damit als größte bewohnte Residenz der Welt im Guinness Buch der Rekorde. Aber näher ran kommt man auch nicht…..

Na gut, gesehen, und nun?

Als ich meinen Fahrer fragte, was er eigentlich so macht, wenn er nicht arbeitet, antwortete er, Billard und Darts spielen und sich ausruhen. Und dann kam eine Antwort, die ich von einem 25-Jährigen nicht erwartet hätte. Der beste Platz in der Stadt – und somit im ganzen Land – sei das historische Museum. Ich besuchte es, und es war wirklich sehr schön und interersannt. Aber dass ein junger Kerl das Museum für das Spannendste der Heimat hielt, sagte mir alles über das Land. Es gibt aus religiösen Gründen nicht so etwas wie ein Nachleben. Das muss natürlich auch nicht immer sein. Aber ein bisschen mehr Leben würde dem Land dennoch gut tun.

 

Wollen Sie das? Bali

Eine der wichtigsten Regeln in einem Gebiet wie den sonnigen und warmen Inseln von Indonesien ist es, immer genug Wasser zu trinken. Ich durfte mal auf Jamaika eine mir nahe Frau dabei beobachten, wie sie dies nicht tat und dehydrierte. Kein schöner – wenn auch zugegebenermaßen witziger – Anblick, als sie schlaff über die Insel zu einem Doktor schlurfte, weil ihr jegliche Kraft flöten gegangen war. Wenn Sie die Infusion, an der meine Begleiterin später lag, nicht haben wollen, trinken Sie also bitte genug Wasser! Ich glaube übrigens, dass diese Dehydration noch eine andere, nicht so schädliche, aber entlarvende Nebenwirkung hat..

SIE werden natürlich ganz anders sein. Aber ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Menschen im Urlaub wirklich dämliche Dinge tun? Je nach Geschmack kann man dazu auch schon Bungee-Jumping und ähnlichen Adrenalin-Unsinn zählen. Aber es gibt drei Punkte, die sind so blöd und unnütz, dass man sich fragen muss, ob diese Kandidaten wirklich genug getrunken haben. Und ob es nicht vielleicht Lack war, der da die Kehle runterrann.

Punkt eins: Bitte lassen Sie sich im Urlaub keine Minizöpfe flechten, wenn Sie nicht weiblich und unter 18 Jahre alt sind. Bei allen andern sieht das albern und dümmlich aus. Und nein, es macht Sie nicht cooler, nicht hübscher und ganz sicher nicht jünger.

Punkt zwei: Kaufen Sie keinen Müll. Es ist zwar schon gegen jede gesunde Erfahrung, im Urlaub Alkohol zu kaufen, der einem nur im Urlaub schmeckt und Zuhause die Bar in der Schrankwand zustellt. Aber das ist noch verzeihbar. Aber bitte, was wollen Sie denn wirklich mit den gut mal 30 Zentimeter langen Holzpenissen, die überall auf Bali als Glücksbringer verkauft werden? Wen wollen Sie denn damit Glück bringen? Und will der Beschenkte Ihnen wirklich ein derartiges Glück geben? Oder ist ihnen der Riesenlümmel zuhause nur peinlich?

Punkt drei: Vergessen Sie Urlaubs-Tattoos. Tätowierungen können etwas sehr schönes sein und sollten immer etwas sehr persönliches sein…. Doch wie persönlich kann ein Tattoo sein, das Sie sich im Urlaub aus dem Katalog eines Tätowierers aussuchen?  Und ja, auf den lustig hüpfenden Delfin als Motiv sind schon andere vor Ihnen gekommen. Ist Ihnen schon mal in den Sinn gekommen, dass der Delphin auf Ihrer prallen Hüfte zu springen versucht, um von diesem Schwabbel wieder runterzukommen? Wollen Sie sich wirklich im Urlaubsrausch von Bali ein paar Rosen auf eine Stelle tätowieren lassen, wo sie die Schwerkraft bald zu Efeu werden lässt? Ist es Ihnen erst damit, ein wildes Muster auf Ihren Steiß stechen zu lassen, das mit etwas Glück am Ende nach einer Landebahn für Ihren Allerwertesten aussieht und mit etwas Pech, wie etwas, was dort wächst und da nicht wachsen sollte?

Ich habe all das auf Bali gesehen. Und ehrlich, es hat mir Angst gemacht. Lassen Sie das! Das Leben geht nach dem Urlaub weiter.

Sicher ist sicher (Yangon / Myanmar)

Eine der ersten Dinge, die mir mein Taxifahrer vom Flughafen zum Hotel erzählte, war, dass Rangun übersetzt „keine Gefahr mehr“ bedeuten würde. Ich schlug das nach und fand tatsächlich, dass man den Städtenamen mit „Ende des Streits“ übersetzten kann. Ein Name den man dieser Stadt nach seiner Geschichte gönnt. Umso überraschter war ich, als ich in dieser – tatsächlich als sehr sicher geltenden – Stadt überall Security sah. Mein Hotel war voll davon. Überall schwirrten die meist älteren Männer in blauen Uniformen und mit vormals stolzen Abzeichen durch die Lobby. Alle wollten mich beschützen. Irgendwie nett von denen, oder? Nur wovor?

So geht man durch Metall-Detektoren zum Fahrstuhl, die aber entweder ausgeschaltet waren oder auch in Betrieb niemanden interessierten. Auf jeder Etage stand ein Schreibtisch, an dem sowohl Servicepersonal als auch noch mehr Sicherheit saß. Ich kannte derartiges Gangpersonal bislang nur aus dem Russland früherer Zeiten. Mein Lieblingsmann der Abteilung „Innere Sicherheit“ des Hotels saß aber im Fahrstuhl. Auf einem kleinen Hocker in jeder der ohnehin zu kleinen Fahrstuhlkabinen saß einer von ihnen. In Uniform und mit einer Motivation im Gesicht, wie man sie….. nun ja….. von Pandabären im Winterschlaf kennt. Aber er war da und er erfüllte seinen Job, der im Bedienen der paar Etagenknöpfe bestand. Ich bin noch nie so abgesichert vier Etagen hoch und wieder runter gefahren.

Als ich an der Rezeption fragte, wozu man denn einen Sicherheitsmann im Fahrstuhl benötigen würde, hat man meine Frage nicht einmal verstanden. Es schien – ohne dass ich das freilich wirklich wissen kann – als wäre es einfach üblich, da einen älteren Herren in Uniform reinzusetzen, der die ganze Vielfalt der Knöpfe von Lobby bis Acht beherrscht. Man kann sich darüber amüsieren, aber es hat funktioniert. Ich bin im Fahrstuhl nicht erschossen worden. Nicht ein einziges Mal!

 

Der blöde Gong von Sisaket (Laos)

Wenn man in Vientiane ist, sollte man unbedingt den „Wat Sisaket“ besuchen. Er liegt mitten in der Stadt und man kann es nicht verfehlen. Bei meinem ersten Besuch habe ich es nicht mal gesucht, es war mehr so, als hätte es mich gefunden. Das Internet-Schwarmwissen sagt: „Gestiftet wurde Wat Si Saket im Jahr 1818 von König Anouvong. Der Gebäudekomplex, mit einer das Hauptgebäude mit seinem fünfteiligen Dach umgebenden Terrasse, ist von einer Mauer mit mehr als 2000 Buddha-Bildnissen aus Keramik und Silber umgeben. Heute beherbergt Wat Si Saket auch ein Museum und wird von nur einem Abt bewohnt.“…. Alles richtig, und die vielen Buddha-Statuen im Wat und auch im Museum sind beeindruckend. Zumal man auch viele Statuen sieht, die fast zerstört, irgendwie verrottet oder zerfallen sind. Buddha-Stauten dieser Art und in dieser Menge hatte ich in ganz Asien noch nicht gesehen. Doch es gibt da noch viel mehr zu sehen und es lohnt einen Abstecher. …

Und da stand ein großer Gong, der Glück bringen soll. Ich sah, wie zwei junge Frauen ihn rieben und wie er schöne und wirklich imposante Töne dadurch von sich gab, woraufhin sich die jungen Frauen etwas wünschten. Dann war ich dran und ich rieb. Und rieb, und rieb. Doch der Gong sagte nichts. Dann zeigten es mir wieder die Frauen und er klang. Und dann rieb ich wieder und er schwieg. Der bescheuerte Gong!

Ich suchte nach einem Schlägel und wollte – wie so oft in Asien – drei mal auf ihn schlagen, bis er klingt. Doch die Frauen verhinderten das und sagte mir in etwa, ich solle ihn nicht schlagen sondern streicheln. So schlug ich nicht, sondern streichelte, doch der olle Mistgong schwieg so lange, bis ich zu dem schönen Stück eben „oller Mistgong“ sagte. Eine der beiden jungen Frauen konnte das Touristenelend nicht mehr mit ansehen, nahm völlig untypisch für eine Laotin meine Hände und rieb mit mir zärtlich über den Ging, bis er wunderschön klang.

Ich sage ja, es war ein toller und kluger Gong. Der schönste Gong überhaupt.

 

Falsch geschüttelt in Sri Lanka

Um mal vorzugreifen: Als ich das Land nach einer wunderbaren Zeit wieder verließ, konnte ich nicht anders als mir am Flughafen noch ein Souvenir zu kaufen. Eine vielleicht 20 Zentimeter große Pappmasche-Puppe, deren Kopf so aufgesetzt ist, dass sie mit ihm beinahe ständig wackelt. ….  Das passendste Souvenir dieses Landes. Denn so wie man von Besuchen Indiens oder zumindest aus dem Fernsehen verwirrend kopfschüttelnde Menschen kennt, so begegnen sie einem auch hier. Sie wissen schon, wenn sie hier „Ja“ meinen, schütteln sie den Kopf. Und meinen sie „nein, dann nicken sie.. Schaut man aber genauer hin, erkennt man, dass dies eigentlich kein wirkliches Kopfschütteln ist. Es ist mehr so ein Wiegen des Kopfes, bei dem aber links-recht-Bewegung deutlicher als jede andere hervortritt.  Das war jetzt keine wissenschaftliche Analyse, mehr so ein persönlicher Versuch, zu verstehen, was diese mehr elliptische Kopfbewegung soll. Zudem heißt es, soll es aber auch ein energisches Kopfschütteln als klares „Nein“ geben. Das macht die Verwirrung nicht eben kleiner. Letztlich gewöhnt man sich daran und erwischt sich alsbald beim Kopfwiegen.

Blöd ist dabei gar nicht so sehr, dass man als Durchreisender sein Gegenüber missversteht. Blöd ist, dass ich ein paar Mal einen nervenden Tuk-Tuk-Fahrer abwimmeln wollte, der aber erfreut rüberkam, weil er mein Kopfschütteln missverstehen wollte. Da stehst du am Straßenrand, die Jungs halten an, fragen dich, du schüttelst eigentlich ablehnend den Kopf und zack – kommen sie rüber und freuen sich, dass du zugesagt hast. Na das erklär dem nun mal! Irgendwann ging ich dazu über, mit der Hand abzuwinken oder einem besonders hartnäckigen Fahrer nach der achten Nachfrage schlicht „No!“ Ins Ohr zu brüllen. Danach hat es dann nur noch drei Nachfragen gegeben, bis er endlich lostuckerte. Jetzt muss man nur noch aufpassen, den Kopf endlich still zu halten, damit das Theater nicht von vorn beginnt.